Aufsatz 
Schiffahrt im Pongau / von Heinrich Benedikt
Entstehung
Seite
92
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Schiffahrt im Pongau,

Von

Dr. jur. et phil. Heinrich Benedikt.

Mit 1 Abbildung.

Wohl mancher, der durch den Pongau fährt oder wandert, wünscht ©ich, dem Lauf der Salzach folgend, im Faltboot Schnellen und Untiefen dieses Gebirgs- stroms zu meistern; aber niemand wird vermuten, daß es hier einst schon eine regelrechte Schiffahrt 1 gab. Sie führte von St. Johann an Bischofshofen, an Markt Werfen und an der stolzen Landesfeste gleichen Namens vorbei bis zur Einmündung des Blühnbachs, wenige Kilometer oberhalb des unüberwindbaren Hindernisses der Salzaohöfen. Diese Schiffahrt wurde durch ein Elementar­ereignis, einen Erdrutsch, ins Leiben gerufen und durch ein anderes Elementar­ereignis, Napoleon genannt, durch mehrere Jahre am Leben erhalten.

An derselben Stelle, an welcher nun der Hochofen der Concordiahütte des Eisenwerks Sulzau-Werfen steht, wurde 1770 von Fürsterzbischof Sigismund III. aus dem Geschlechte der Grafen von Schrattenbach zur Verhüttung der eben entdeckten Eisenerzlager vom Windingberg ein Blahaus errichtet. Der für den Schmelzgang benötigte Tonschiefer kam aus der Gegend von St. Johann im Pon­gau, wo er von privaten Gewerken, vor allem im ertragreichen Grubbühel, ge­brochen wurde. Die Zufuhr zur Hütte geschah, wie auch jene von Erz und Holz­kohle, im W r inter, wenn es eine Schlittbahn gab, und während der schneefreien Jahreszeiten nur im Notfall auf Rädern. Denn die Wagenfracht kam bei den schlechten Straßen und Karrenwegen wesentlich teuerer.

Im Jahre 1808 verlegte ein Bergrutsch die sogenannte Speckstraße zwischen Bischofshofen und Werfen. Mit der Landeshoheit war 1802 dasBlahaus in der Blientau, das an der Stelle der heutigen Concordiahütte stand, aus dem Besitz des Erzbischofs in den des Großherzogs von Toskana und im Preßburger Frieden vom 27. Dezember 1805 in den des Kaisers von Österreich übergegangen. Der für das Schmelzen unentbehrliche Tonschiefer von St. Johann konnte auf der Speokstraße nicht zugeführt werden. Die Blasung dieses Jahres drohte da­her auszufallen. Zwar war es möglich, den Bergrutsch auf einem Umweg über

1 Die Schriftstücke über die Pongauer Schiffahrt sind im Landesarchiv Salzburg aufbewahrt: Oberamtliche Bergwesens Acte. Werfen. Fase. 119 (180714), No 6.