Technikgeschichtliche Bücherschau.
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Als vorletztes Buch sei in dieser Reihe ..Aus dem Reich der Schiene“ 33 besprochen, dessen Verfasser der langjährige Leiter des Archives der österreichischen Bundesbahnen, des dem Wiener Technischen Museum angegliederten Eisen- bahnimuseums und später dem Österreichischen Staatsarchiv zugeteilte Hofrat Dr. Karl Feiler ist. Dieses schöne Buch schildert auf Grund vorzüglicher Kenntnis der Quellen die Entwicklung der Schienenbahn in England, ihr erstes hirscheinen außerhalb des Entstehungslandes durch den Bau der 1824 bis 1882 errichteten ,,Holz- und Eisenbahn“ zwischen Budweis und Linz, als der ersten öffentlichen Schienenbahn des europäischen Festlandes. Dann wird der Ausbau des Eisenbahnnetzes der Habsburger Monarchie bis 1855 etwa geschildert und die Pioniere, denen wir die rasche Entwicklung unserer Schienenwege im geschilderten Zeitraum zu danken haben, dem Leser in Leben und Leistung vorgeführt. Ein wertvoller Behelf für jedermann wurde dank der Förderung durch das Bundesministerium für Verkehr in Feilers Buch der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt; wie dies geschah, möge zum Vorbild für die anderen großen Wirtschaftsikörper und Unternehmungen werden, technikgeschichtliche Kenntnisse in ihrer eigenen Sparte in ähnlicher Art zu unterbauen und zu fördern.
Da wir ein GoETHE-Jahr durchleben, so ist es verständlich, daß zum Schluß noch ein GoETHE-Buch besprochen werden kann. Es ist dies das imLeykam-Ver- lag in Graz erschienene „Gesetz iim Grenzenlosen“ 31 Goethes naturwissenschaftliche Schriften, ausgewählt und zusammengestellt von Peter R. Hofstätter. Außer kurzen Einleitungen und abschließenden Sätzen, die der Herausgeber verfaßt hat, besteht der ganze Inhalt dieses, namentlich auch durch seine vorzüglich ausgeführten und gut gewählten Abbildungen bemerkenswerte Buch aus Teilzitaten naturwissenschaftlicher Schriften Johann Wolfgang von Goethes und aus einigen wenigen Bemerkungen seiner Zeitgenosssen zum Thema. Die Auswahl ist geschickt durchgeführt und veranschaulicht dem Leser Goethes Einstellung zur Natur, seine Studien über die pflanzliche und tierische Entwicklung, den Bau der Erde und über meteorologische Erscheinungen. Das umfangreichste Kapitel ist — wie selbstverständlich — der Farbenlehre gewidmet. Den Abschluß bilden Aufsätze, in denen Goethe zu den Methoden der Naturbetraöhtung Stellung nimmt. Eine synchronistische Tabelle am Schlüsse des Bandes ist besonders wertvoll für den historisch eingestellten Leser. Vom Standpunkt der Technikgeschichte ist es allerdings bedauerlich, daß nicht auch die Stellung Goethes zur Bergbautechnik, zur Industrie und zu den Manufakturen in diesem Band mitbehandelt worden ist; er ist aber jedenfalls eine empfehlenswerte Lektüre.
Dem österreichischen Verlagswesen der zweiten Nachkriegsjahre wird vielfach der Vorwurf gemacht, es habe nicht verstanden, unserem Heimatlande jenen Platz im deutschsprachigen Schrifttum zu sichern, der ihm bei richtiger Führung
33 Karl Feiler, „Aus dem Reich der Schiene. Was Geschichtsquellen von den Anfängen des Eisenbahnwesens offenbaren“, mit 51 Abbildungen. Scholle-Verlag, Wien 1949.
34 Peter R. Hofstätter, „Gesetz im Grenzenlosen“, Goethes naturwissenschaftliche Schriften. Mit Abbildungen. Leykam-Verlag, G. m. b. H„ Graz-Wien 1949.