Löhner — vom Wagnergewerbe zur Großindustrie.
Von
Dipl.-Ing. Viktor Schützenhofer.
Mit 9 Abbildungen.
Zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts war Österreich ein Agrarland, das selbst notwendige Gebrauchsartikel nicht im erforderlichen Ausmaße herzustellen imstande war, geschweige denn — mit wenigen Ausnahmen — an einen Export denken konnte. Um den durch die Einfuhr ausländischer und die mangelnde Ausfuhr inländischer Erzeugnisse sclnver belasteten Finanzen des Landes aufzuhelfen, war Karl VI. (1711—1742) bemüht, die heimischen Gew r erbe in ihrer Produktion zu stärken und eine österreichische Industrie zu schaffen. Wie Leopold I. mit der 1672 erfolgten Manufakturgründung in Linz den Anfang der Industrialisierung Österreichs gemacht hatte, setzten Maria Theresia und Josef IL im achtzehnten Jahrhundert die Bemühungen Karls VI. fort, die aber erst, unterstützt durch die damaligen großen Fortschritte der Technik, unter Franz II. im neunzehnten Jahrhundert beachtliche Ergebnisse zeitigten; in weiterer Folge führten sie nicht nur zur beabsichtigten Industrialisierung Österreichs, sondern auch zum Weltruhm österreichischer gewerblicher und industrieller Erzeugnisse. So tüchtig die österreichischen Handwerker aber auch gewesen sind, so waren ihrer zu w r enig. Eine Begünstigung fremden Zuzuges erschien daher erforderlich.
Zu den ausländischen Arbeitern, die zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, angelockt durch die ihnen zugesagte Förderung in der Ausübung ihres Gewerbes, nach Österreich kamen, gehörte auch der am 4. April 1786 geborene Heinrich Loiiner. Dem ihm an einem Märztag des Jahres 1811 in seiner rheinländischeu Vater- und Geburtsstadt Mayen zugestellten. Einberufungsbefehl zur napoleoni- schen Itheinbundarmee hatte er sich durch Flucht entzogen, bereits entschlossen, das von seiner Familie seit Jahrhunderten geübte Wagnergew’erbe künftighin in dem von ihm gewählten neuen Heimatland auszuüben. Tüchtigkeit, Fleiß und Ausdauer ermöglichten es Heinrich Löhner, nicht nur in Österreich festen Fuß zu fassen, sondern auch den von ihm dort geschaffenen Betrieb so auszubauen, daß er der Gründer der im österreichischen Wirtschaftsleben bedeutsamen, bis heute in den Händen seiner Nachkommen gebliebenen, der Verkehrsmittelindustrie zugehörigen Firma „Löhner“ wurde. Ihr Werden und Wirken soll Gegenstand der folgenden Abhandlung sein, sich aber besonders mit den Leistungen Ludwig Löhners befassen, die nicht nur für die Entwicklung des eigenen Unter-