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Viktor Schützenhofer
nehmens. sondern auch derjenigen der einschlägigen Technik hervorgehoben zu werden verdienen. Heinrich Löhner ließ sich als selbständiger Lohnarbeiter des Wagnergewerbes in Wien, auf der Wieden S15 (später Heumühlgasse 15), nieder, verlegte aber bald seinen Standort in die Stadt No. 156. Seit seinem Eintreffen in Wien arbeitete er hauptsächlich für den in der Wiener Vorstadt Itoßau No. 86 tätigen bürgerlichen Sattler Ludwig Laurenzi. Das vorerst auf Einzelaufträgen basierende, die Herstellung von Wagenkästen betreffende Zusammenarbeiten führte bald zu einer Gemeinschaftsarbeit. Nachdem Heinrich Löhner 1821 das Meisterrecht für sein Gewerbe erlangt hatte, trat er als Wagnermeister in den Betrieb Laurenzis ein. Mit der Erwerbung des Meisterrechtes wurde Heinrich Löhner auch Bürger von Wien.
Der Wagenbau war damals kein Gewerbe für sich, sondern auf mehrere Gewerbe aufgeteilt. Dem Sattler oblag die Fertigstellung und der Vertrieb der Wagen. Die übrigen hauptsächlich dabei in Betracht kommenden Handwerker, der Wagner, Schlosser, Schmied, Lackierer, Posamentierer, Plattierer und Glaser, waren seine Helfer, die mit dem Käufer des fertigen Erzeugnisses nicht direkt in Berührung kamen. Wenn Heinrich Löhner nun — 1821 — als Wagnermeister in den Sattlereibetrieb Ludwig Laurenzis eintrat, so zeigte sich damit bereits das Bestreben der Zusammenfassung des gesamten Wagenbaues in eine Hand und damit auch der Schaffung von Wagenfabriken, wie eine solche von Ludwig Laurenzi 1850 auf Grund des erlangten Fabriksbefugnisses zur Erzeugung von Wagen errichtet und unter seinem vollen Namen firmenmäßig protokolliert wurde. Den Nachweis der Befähigung zur Führung eines derartigen Betriebes verdankte Laurenzi nicht zuletzt der tatkräftigen Mithilfe Heinrich Löhners. Ludwig Laurenzi hatte sich im besonderen der Herstellung von Luxuswägen gewidmet, die nicht nur im Land, sondern auch im Ausland viel gefragt waren. So zählte er bald zu den bedeutendsten Exporteuren dieser österreichischen Erzeugnisse und konnte sich rühmen, im Gründungsjahr der Fabrik seit Beginn seiner Arbeitstätigkeit das dreizehnhundertste Fahrzeug hergestellt zu haben. Bereits 1851, noch zu Lebzeiten seines 1855 verstorbenen Vaters Heinrich, schloß .Jakob Loiiner (geh. Wien, 7. Oktober 1821) zwecks Gründung der Firma „Ludwig Laurenzi & Comp.“ mit Ludwig I^aurenzi einen Gesellschaftsvertrag, dem auch der aus Aachen stammende Josef Neuss beitrat. 1855 trat Josef Neuss aus der Gesellschaftsfirma wieder aus, um sich in Berlin selbständig zu machen. Der daraufhin zwischen Jakob Löhner und Ludwig Laurenzi geschlossene neue Vertrag bezweckte die Gründung der Firma „Laurenzi & Löhner“, womit der Anteil Löhners auch äußerlich in Erscheinung treten sollte. 1857 heiratete Jakob Löhner die Tochter Laurenzis und gal) so der Arbeitsverbindung durch Familienbande neue Festigung. Ludwtg Laurenzi starb am 23. Februar 1859. Seine Witwe, Anna, auf die das Landesfabriksbefugnis ihres verstorbenen Gatten übergegangen war, führte kurze Zeit das Unternehmen, das nach Löschung der bisherigen Firma mit der Firmenbezeichnung „L. Laurenzis Wwe.“ protokolliert wurde. Im November I860 legte Anna Laurenzi das Fabriksbefugnis zurück und Jakob Lomier, der im Juli 1859 ein neues „Landesfabriksbefugnis zur Erzeugung von Wägen in Wien“ erhalten hatte, übernahm die Führung des Unternehmens.