Aufsatz 
Lohner - vom Wagnergewerbe zur Großindustrie / von Viktor Schützenhofer
Entstehung
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Löhner vom Wagnergewerbe zur Großindustrie.

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Der ständig steigende Auftragsstand, in dem der Export insbesondere nach den Balkanländern und Rußland sowie dem Nahen Osten bereits eine wesent­liche Rolle spielte, zwang gleichfalls 1860 zur Schaffung einer größeren Be­triebsstätte, die in der Alservorstadt, Servitengasse 19, errichtet wurde; sie um­faßte die Ilauptgewerbe, Wagner, Tischler, Schlosser, Schmied, Lackierer und Sattler, und erhielt 1863 eine Dampfkraftanlage. 1868 traten Franz Löhner und Josef Brauner (Bruder und Schwager Jakob Löhners) in die Firma ein, die nun die BezeichnungJakob Löhner & Co. erhielt. Bereits in den fünfziger Jahren hatte das Unternehmen das Ambulanzwesen in sein Erzeugungsprogramm auf genommen und damit eine erhebliche Vergrößerung seines Gesamtabsatzes zu verzeichnen. 1873 konnte Jakob Löhner die Herstellung des zehntausendsten Fahrzeuges feiern. 1S76 mußte er sich zur Errichtung einer neuen, erweiterten und allen neuzeitlichen Erfahrungen Rechnung tragenden Betriebsstätte in der Vorstadt Floridsdorf, unter Belassung der Lackiererei und Sattlerei sowie der Verkaufsräume und Unternehmungsleitung in der Servitengasse, entschließen. 1878 wurde die Leitung des Unternehmens in das damals neu erbaute Haus Por­zellangasse 2 verlegt. Die im gleichen Jahre durchgeführte Errichtung einer Räder- und Federnerzeugungsanlage und einer Metall- und Eisengießerei in Floridsdorf behob die ständigen Schwierigkeiten in der Beschaffung der benötig­ten Halbfabrikate. Die Teilnahme an fast allen großen internationalen Aus­stellungen am Kontinent und Übersee, wie London 1851, Paris 1855, 1867 und 1878, Philadelphia 1876, Melbourne 1880, Chikago 1893 und Osaka 1903, die durch Prämi­ierungen die Leistungsfähigkeit des Unternehmens und die Güte seiner Erzeug­nisse anerkannten, sicherte seine weitere Bekanntmachung in der ganzen Welt. In dem von H. Heller, Wien 1903, herausgegebenen Katalog derFünften natio­nalen Ausstellung Japans zu Osaka 1903 heißt es in der Beschreibung der öster­reichischen Beteiligung:Besonders hervorgetan hatten sich Jakob Löhner &Co. mit vier eleganten leichten Wagen; diese weltberühmte Firma hatte früher schon Lieferungen für den japanischen Hof effektuiert und wurden auch die genannten vier Stücke an japanische Notabilitäten verkauft. 1887 schieden die beiden Ge­sellschaftspartner Franz Löhner und Josef Brauner als öffentliche Gesell­schafter aus der Firma aus, ohne daß diese eine Änderung ihrer Bezeichnung er­fuhr. 1892 starb Jakob Löhner. Damit hatte sein einziger Sohn, Ludwig, die Leitung der Firma zu übernehmen.

Ludwig Löhner wurde am 15. Juli 1858 in Liesing bei Wien geboren. Er ver­lor seine Mutter schon zehn Monate nach seiner Geburt, was wohl den Vater mit bewogen haben mag, die Erziehung seines Sohnes einem Internat anzuvertrauen. Er wählte hiefür den der humanistischen Bildung gewidmeten Jesuitenkonvikt in Kalksburg bei Wien. Der sich immer mehr zeigenden Vorliebe des jungen Löhner für die technischen Fächer und der seinem künftigen Beruf naheliegen­deren realen Erziehung wegen, verließ dieser nach Besuch der vier Unterklassen Kalksburg, um seine Mittelschulbildung in der Realschule auf der Schottenbastei in Wien mit der Reifeprüfung zu vollenden. Er studierte dann das Maschinen­baufach an der Technischen Hochschule in Wien und legte 1879 mit Erfolg das Ingenieurexamen ab. Eine erhöhte Empfindlichkeit der Atmungsorgane zwang