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Oskar Regele
räumen haben, den übrigens Hoernes selbst durchaus zubilligt. Einen anderen Streitfall rief die Beurteilung des Dr. Raimund Nim führ hervor, den Hoernes im Jahre 1908 als Forscher nicht gelten ließ. Mag Nimführ seine unzweifelhaften Verdienste um die Popularisierung der Flugidee besitzen und in manchem, wie z. B. in der Frage der starren Ballons, zutreffend geurteilt haben, so wird die Nachwelt doch am Urteile Hoernes’ nicht vorbeisehen können 13 .
Hermann Hoernes war natürlich auch in zahlreichen Vereinen tätig, so gehörte er in verschiedenen Funktionen dem „Wiener Aero-Club“, dem Wiener und Österreichischen „Flugtechnischen Verein“, der „Österreichischen aeronautischen Kommission“, der „Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie“, dem Berliner „Verein für Luftschiffahrt“, der Berliner „Flugtechnischen Gesellschaft“, der „Commission Permanente Internationale d’Aeronautique“ in Paris u. a. m. an und hielt überall sehr beachtete Vorträge. Daß diese Vereinstätigkeit eine sehr schöpferische war, erhellt bereits aus dem von Hoernes am 5. Mai 1891 ausgearbeiteten „Programm-Vorschlag für den flugtechnischen Verein“, der die Forderungen enthielt, aus der Phase der Diskussion zum praktischen Versuch überzugehen, die Meteorologie durch Ballonfahrten zu fördern, die KRESSschen Versuche zu unterstützen und die dazu nötigen Geldmittel zu beschaffen. Wie angesehen seine Stellung in den Kreisen der Luftfahrt war, beweist, daß ihm die Festreden anläßlich der Gedenktafelenthüllungen für Friedrich Ritter v. Loessl am 5. Oktober und für Theodor Scheim- pflug am 6. Dezember 1913 übertragen worden waren.
So besitzt Österreich in Hermann v. Hoernes einen international anerkannten, allgemein geehrten Vertreter im Kampfe um die Eroberung des Luftmeeres, und wer immer den Entwicklungsgang des Flugwesens verfolgt, er wird überall auf Hoernes stoßen, der zu allen grundlegenden Problemen einen bleibenden Beitrag geleistet hat und der schon 1891 erklärt hatte, „daß das Luftschiff der Zukunft nicht ein ausschließlicher Gehilfe des Krieges sein, sondern dem gesamten menschlichen Verkehre neue Impulse geben soll“.
Nach dem ersten Weltkriege war Hoernes von seinem bisherigen Element abgeschnitten, und dieser Zwang war es, der ihn auf ganz neue Bahnen führte, die ihm allerdings von jung auf vertraut waren. Die Beschäftigung mit dem Luftmeer, der immerwährende Blick zu den Gestirnen und in das Weltall regten ihn an, auch über „Sternenweit“ und „Weltenschicksal“ nachzudenken und zu schreiben und der weitere Schritt zur Philosophie war kein unvermittelter. Neben dem flugtechnischen und luftfahrtgeschichtlichen Nachlaß fand sich auch ein philosophischer Nachlaß, der zeigt, wie Hoernes als echter Österreicher seine Nebenleidenschaft hatte und diese mit ebensolcher Gründlichkeit betrieb wie den Hauptberuf. Und wie so viele Dichter und Schriftsteller in Österreich gerade aus den Reihen der Beamten und Offiziere hervorgegangen sind, so hat auch Hoernes Dichtungen hinter lassen, die mehr als ein bloßer Versuch sind und das Bild seiner so umfangreichen Tätigkeit eindrucksvoll abrunden.
Wie bei jeder Persönlichkeit, sind auch bei Hoernes einige Züge hervorstechend: Das klare Erkennen der Kernprobleme verbunden mit richtiger Voraussicht, die stets ideale Zwecksetzung allen Tuns und die Verknüpfung der nüchternen tech-
13 „Ein Leitfaden“ in der „Wiener Luftscliiffer-Zeitung“, Nr. 12/1908.