Hermann von Hoernes.
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Viele Jahre vorher findet sich die Feststellung: „Nur durch Verwendung von Großflugzeugen sind eine Zentralisation des Betriebes, eine Erhöhung der Sicherheit des Fluges und ein billiger und zielbewußter Verkehr größerer Lasten durch die Luft möglich“. Tatsächlich ist ein solches Großflugzeug heute ein selbstverständlicher Begriff, und wenn die Pläne aus dem ersten Weltkrieg nur auf dem Papier blieben, erklärt sich das durch den Umstand, daß die österreichisch-ungarische Heeresverwaltung nicht über das nötige industrielle Potential verfügte, um — noch dazu gegen Kriegsende — eine eigene Großflugzeugproduktion einzuleiten. Die Richtigkeit der Idee war zweifellos anerkannt. Kriegsminister FZM. R. v. Krobatin förderte die Versuche und es fehlte nicht an empfehlenden Begutachtungen maßgebender Flugzeugwerke. Erste praktische Erprobungen fanden 1916 in Warnemünde statt.
Überreich ist die literarische Ernte, die uns Hermann v. Hoernes hinterlassen hat. Er behandelte — außer dem bisher Erwähnten — nicht bloß die wichtigsten theoretischen Themen 11 , sondern auch die jeweils vordringlichen Probleme der Militärluftfahrt 12 , der er schon 1891 prophezeit hatte, „daß sie in künftigen Kriegen berufen sein wird, eine Rolle zu spielen“. Seine Bücher allgemeinen Inhaltes, wie das über die ganze Welt verbreitete Standardwerk „Buch des Fluges“, 1910/11 in drei Bänden erschienen und zur Hälfte von Hoernes allein geschrieben, „Die Luftfahrzeuge der Zukunft“ (1891), „Die Luftschiffahrt der Gegenwart“ (1903) und der „Abriß der Luftschiffahrt und Flugtechnik“ (1910) werden immer zum eisernen Bestand jeder Luftfahrtbibliothek zählen wie auch die zahlreichen Aufsätze in den angesehenen Fachzeitschriften („Zeitschrift für Flugtechnik und Motorluftschifffahrt“, „Rundschau für Technik und Wirtschaft“ u. a. m.) oder die Beiträge zu Moedebecks „Taschenbuch für Flugtechniker und Luftschiffer“. Eine Sammlung für sich bilden die unzähligen Artikel in der Tagespresse, die alle der Propagierung der Luftfahrt dienten.
Der kritische Geist des Technikers, wie er uns in Hoernes überall begegnet, brachte es mit sich, daß so manche literarische Auseinandersetzungen sogar in prozessualen Kampf übergingen. Die Schrift „Die Erfindung des Flugdrachens. Ein Beitrag zur Klärung von Prioritätsansprüchen, insbesondere jener von Wilhelm Kress“ (Wien 1913) war nach zahlreichen Einzelaufsätzen der Schlußpunkt einer — auch noch vor anderem Forum ausgetragenen — Polemik zwischen Hoernes und Kress, wem nämlich das Verdienst gebühre, das Prinzip „schwerer als die Luft“ erstmalig praktisch verwirklicht zu haben. Daß Kress dieses Verdienst nicht ausschließlich für sich allein in Anspruch nehmen darf, steht wohl fest, und Hoernes hat zu dieser Klärung manches beigetragen. Bei der Schwierigkeit jedoch, die gegenseitige Unabhängigkeit oder aber Beeinflussung gleichzeitiger Erfindungen restlos nachzuweisen, wird man Kress für alle Zeit einen bevorzugten Platz einzu-
11 „Eine Antwort auf — die Flugtechniker und die Mechanik —1893. „v. Loessl : Die Luftwiderstandsgesetze ...“. 1895. „Das LOESSLsche Luftwiderstandsgesetz“, 1900. „Die WELLNERschen Versuche über den Luftwiderstand“, 1895 und 1896. „Wellners V ersuche mit größeren Luftschrauben“, 1897.
12 „Das englische Ballonmaterial“, 1888. „Der gegenwärtige Stand der Militär-Aero- nautik“, 1889. „Mittel und Zwecke der Militär-Aeronautik“, 1891 (auch russisch und schwedisch). „Studie über die Einführung dynamischer Luftfahrzeuge in Österreich- Ungarn“, 1908.