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Oskar Regele
nur dem Flugzeug gehöre, so kann doch die umfangreiche, in die Lenkballone investierte Arbeit keineswegs als umsonst bezeichnet werden. Die Lenkballone waren ein notwendiges Entwicklungsglied in der Reihe der Luftfahrzeuge — wie das Segel- dem Dampf- und dieses dem Motorschiff vorangehen mußte — und die mit ihnen gewonnenen Erfahrungen beschleunigten die Entwicklung des Flugzeuges in höchstem Grade. Hoernes sagt selbst darüber: „Die hierbei gewonnenen Resultate, und zwar sowohl die negativen als auch die positiven, kommen der Luftschifffahrt als Ganzes genommen zugute.“ Über die Flugzeuge lesen wir in Aufzeichnungen aus dem Jahre 1891 den vielsagenden Satz: „Trotzdem gehört ihnen unstreitig die Zukunft.“ Auch mit den Fesselballonen befaßte sich Hoernes eingehend 8 , lehnte sie jedoch im Grunde ab: „Ich betrachte den Fesselballon in einem Übergangsstadium zu etwas viel besser Verwendbarem begriffen“ (1892). Es bleibt bezeichnend, daß sich die Fesselballone noch 1914/18 ausgezeichnet als örtliche Dauerbeobachtung bewährten und weder durch Flugzeug noch durch Luftbilder ersetzt werden konnten. Erst der perfekte Hubschrauber vermag endgültig an ihre Stelle zu treten.
Sehr umfangreich war die Tätigkeit Hoernes’ als praktischer Konstrukteur. Der 1893 fast zur Gänze aus heimischem Material erzeugte Freiballon „Ferdinand Karl“ 9 des Flugtechnischen Vereines war hauptsächlich sein Werk, mit dem er in erster Linie wissenschaftlichen (meteorologischen) Zwecken dienen wollte und dessen Erstfahrten er persönlich durchführte. Auch hier gingen die Pläne gleich ins Große, durch meteorologische Fahrten von möglichst vielen Orten aus sollte — bereits 1892! — „ein geschlossenes Netz, ähnlich wie ein solches bei den meteorologischen Hochstationen besteht, geschaffen werden“. Aus den Jahren 1899 und 1902 stammen Projekte für einen Lenkballon, die jedoch nicht zur Ausführung gelangten, da man in Österreich, besonders als General L. v. Schleyer, Kommandant der Verkehrstruppenbrigade, entschieden alle Ballone verneinte, das ganze Interesse den Flugzeugen zuwandte. Dauernd beschäftigte Hoernes der Gedanke einer Fortentwicklung der Luftschraube zu einer Form, die das Flugzeug senkrecht starten und gefahrlos landen lassen könnte. Das Ergebnis dieser Arbeit war die auch in den USA. patentierte Planet-Luftschraube, deren Idee darin bestand, „ein System von Schrauben während ihrer Rotation noch eine zweite Drehbewegung um eine gemeinsame Zentralachse auszuführen, sie also eine Planetbewegung vollführen zu lassen“ 10 . In Verbindung mit dieser neuen Schraube w T urde auch ein Flugzeug, „Voloid“ benannt, konstruiert. Als letzte Konstruktionstat sind die auf das Jahr 1911 zurückgehenden Pläne für Großflugzeuge aus der Zeit des ersten Weltkrieges zu verzeichnen. Wie seinerzeit bei den Lenkluftschiffen, vertrat Hoernes auch bei den Flugzeugen die Ansicht, daß nur große Apparate „für viele tausende Kilogramm“ eine Zukunft hätten. Die Anträge vom August 1914 erstrebten eine Tragfähigkeit von 5 t, eine Geschwindigkeit von 150 km/h und einen Aktionsradius von 500 km.
8 „über graphische Darstellung von Ballonbeobachtungen“, 1891. „über Fesselballon- Stationen“, 1892. „über Ballon-Beobachtungen“, 1892.
9 „Der Ballon — Ferdinand Karl —“, 1894. „über den Bau des Vereinsballons — Ferdinand Karl —1895. „Der Ballon im Dienste der Meteorologie“, 1898.
10 „Über die Lösung der Flugfrage mit Planet-Luftschrauben“, 1904 und 1906. „Die E’lanet-Luftschraube“, 1907.