Aufsatz 
Zur Geschichte der ehemaligen Staatlichen Schwefelsäurefabrik in Wien-Heiligenstadt und der ehemaligen k.k. Salmiakfabrik in Nußdorf / von E. A. Kolbe
Entstehung
Seite
75
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Zur Geschichte der ehemaligen Staatlichen Schwefelsäurefabrik in Wien-Heiligenstadt und* der ehemaligen k. k. Salmiakfabrik in Nußdorf.

Von

E. A. Kolbe, Wien.

Mit 5 Abbildungen.

I. Staatliche Schwefelsäurefabrik.

Der erste Kommissär bei der k. k. niederösterreichischen Fabrikeninspektion in Wien, Stephan Edler von Keess, erwähnte in seinem im Jahre 1823 er­schienenen BucheBeschreibung der Fabricate, welche in den Fabriken, Manufac- turen und Gewerben des österreichischen Kaiserstaates erzeugt werden, daßdie ärarische Vitriolöhlfabrik zu Nußdorf (später Heiligenstadt) die größte ihrer Art im Inlande sei. Der Betrieb dieses Werkes wurde unter dem NamenStaat­liche Schwefelsäure- und chem. Produkten-Fabrik Wien-Heiligenstadt bis zum Jahre 1939 weitergeführt, dann aber in Auswirkung der nach der Okkupation im März 1938 eingetretenen grundlegend geänderten wirtschaftspolitischen Verhält­nisse eingestellt. Das vorher aktiv gewesene Montanwerk hätte nicht mehr mit Gewinn Weiterarbeiten können, weil unter anderem nicht nur der die Preisbildung für Schwefelsäure beeinflussende Einfuhrzoll aufgehoben wurde, sondern auch die Preise für die verschiedenen Schwefelsäuresorten zwangsweise um rund ein Drittel gesenkt werden mußten. Fast gleichzeitig mußten auch die Löhne um rund ein Drittel erhöht werden. Diese für die Werksgebarung sehr nachteilig gewesenen Maßnahmen hätten in finanzieller Hinsicht nur dann ausgeglichen werden können, wenn die Säureerzeugung der Fabrik nach vorher gegangenem Einbau einzelner neuer Betriebseinrichtungen um ein Mehrfaches erhöht worden wäre, was jedoch aus technischen Gründen nicht möglich gewesen ist. Die Er­richtung einer neuen großen Anlage in Verbindung mit der Herstellung anderer chem. Produkte kam nicht in Betracht.

In der ehemaligen Heiligenstädter Schwefelsäurefabrik befanden sich zahl­reiche alte Aktenstücke, welche bis auf das Jahr 1801 zurückreichten. Sie mußten nach Einstellung des Fabriksbetriebes einem hiesigen Archiv übergeben werden. Es ließ sich nicht ermitteln, ob die alten Akten während der Kriegszeit ver­nichtet worden sind oder an einen anderen Ort gebracht werden mußten. Jeden-

Technikgeschichte, 12. Heft.

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