Aufsatz 
Zur Geschichte der ehemaligen Staatlichen Schwefelsäurefabrik in Wien-Heiligenstadt und der ehemaligen k.k. Salmiakfabrik in Nußdorf / von E. A. Kolbe
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E. A. Kolbe

falls konnten sie bis in die letzte Zeit nicht wieder anfgefunden werden. Als letzter Werksleiter halte ich es daher für angebracht, einzelne, diese Fabrik be­treffende und von mir gesammelte Daten für Zwecke späterer Nachforschungen über die Entwicklung der inländischen chemischen Industrie festzuhalten.

Wie den dokumentarisch belegten Angaben derDöblinger Heimatkunde 1 entnommen werden kann, wurde in Nußdorf im Jahre 1790 eine Schwefelsäure­fabrik errichtet, welche dem Chemiker Leopold Schrottenbach gehört hatte. Diese Betriebsanlage wurde am 28. Oktober 1801 vom österreichischen Ärar käuf­lich erworben. Der bezügliche Kaufvertrag wurde vom Regierungsrate hei der damaligen k. k. Hofkammer im Münz- und Bergwesen in Wien, Ritter von Manner, als Vertreter des Ärars gefertigt. Die ScHROTTENBACHSche 2 Vitriol­ölfabrik zu Nußdorf befand sich auf dem GrundstückeZu Balleisen 3 , welches später Heiligenstadt angegliedert worden ist. Heute trägt es die Bezeichnung Wien XIX., Heiligenstädterstraße 135. Der mit Schrottenbach vereinbarte Kaufpreis 4 wurde ihm nicht früher ausbezahlt, bevor er nicht vor fachkundigen

1 Döblinger Heimatkunde in 3 Bänden, herausgegeben von Döblinger Lehrern, Wien 1922. Im Selbstverläge der ArbeitsgemeinschaftHeimatkunde Döbling in Wien XIX., Pyrkergasse 10. Derzeitige Anschrift: Wien XIX., Billrothstraße 26.

2 Zur Schreibung des Namens Schrottenbach bemerke ich, daß er auf dem erwähnten Kaufverträge in Schönschrift und in voller Deutlichkeit mit Leopold Schrottenbach eingetragen worden ist. Ich verweise nicht nur auf dieDöblinger Heimatkunde, sondern auch auf die ausführliche Fabriksbeschreibung von Wilhelm Möller, einem meiner Vor­gänger, welchem die alten Aktenstücke ebenso wie mir zugänglich waren, ferner auf die Beschreibung der Heiligenstädter Fabrikseinrichtungen von Hofrat Dipl.-Ing. Josef Wregg. In allen vorgenannten Veröffentlichungen ist die richtige Schreibweise Schrot­tenbach angegeben. Keess schrieb in seinem im Jahre 1823 erschienenen Buche irrtüm­lich Schrattenbach. Auch Donath wandte die irrtümliche Namensschreibweise Schratten- bach an, obwohl er sich auf die den richtigen Namen Schrottenbach enthaltende Fabriks­beschreibung von Wilhelm Möller aus dem Jahre 1895, welche er in einer Fußnote wörtlich zitiert hatte, bezog. w r obei ihm der Fehler unterlaufen ist, anstatt Wilhelm Möller als Verfasser den Namen K. Miller einzusetzen. Unter den Heiligenstädter Fabriksvorständen kommt der Name K. Miller nicht vor. Slokar hielt sich bei der Zitierung der Angaben aus dem Buche von Keess aus dem Jahre 1823 an dessen irrtüm­liche Schreibweise des Namens des ersten Besitzers. Möller veröffentlichte seine Fabriks­beschreibung als Heft VI der Monographien des Museums für Geschichte der österreichi­schen Arbeit unter dem TitelGeschichte der Entwicklung der k. k. Schwefelsäurefabrik in Unter-Heiligenstadt. erschienen im Jahre 1895 bei Alfred Holder in Wien (Wilhelm Möller war damals k. k. Fabriksverwalter). Wregg in derReichspost, Jg. 1930, Nr. 81 vom 22. März 1936. unter der ÜberschriftVon der chemischen Industrie in Öster­reich. 145 Jahre Schwefelsäure aus Heiligenstadt. Donath erwähnte die Heiligenstädter Fabrik im III. Band, Gruppe XIV, Chemische Industrie, Klasse 86, Anorganisch-chemische Großindustrie, S. 2, des W'erkesWeltausstellung in Paris 1900, Beiträge Österreichs zu den Fortschritten im XIX. Jahrhundert, herausgegeben von W. Exner 1902, Wien, Hof- u. Staatsdruckerei. Slokar ist der Verfasser derGeschichte der österreichischen In­dustrie und ihrer Förderung unter Kaiser Franz I., erschienen im Jahre 1914 in Wien bei F. Tempsky. Er hat auf die ärarische Schwefelsäurefabrik, dann auf ihren ersten Besitzer im 1. Buche. XXV. Kapitel. Die chemische Industrie, S. 563, hingewiesen.

3 Wiener Postbuch 1925, S. 218.

4 Schrottenbach erhielt für seineeigentümliche englische Vitriolölfabrik samt allen Maschinen und Einrichtungen den Betrag von 8000 Gulden, dann für die Überlassung des Geheimnisses seiner Fabrikationsmethode ein Douceur von 200 'Dukaten ausbezahlt.