Entwicklung und Stand der Stickstoffdüngerindustrie in Österreich. 3
Es ist ersichtlich, welch krasse Differenz zwischen der dem Boden entzogenen Stickstoffmenge und der durch mineralischen Dünger zugeführten Stickstoffmenge besteht.
Aus der folgenden Tabelle entnehmen wir, welche Stickstoffmengen in anderen Ländern aufgewendet werden.
Von Interesse ist es nun, die Hektarerträge in diesen Ländern mit dem durchschnittlichen Ernteertrag in Österreich zu vergleichen.
Während in Frankreich Stickstoffverbrauch und Ernteertrag sich ungefähr in ähnlichem Verhältnis halten wie in Österreich, zeigen die Zahlen für Deutschland, in welch hohem Ausmaße ein hoher Düngerverbrauch sich auf das Ernteerträgnis auswirkt.
Der wirtschaftliche Wert, den die zugeführten Düngemittel darstellen, ist in der Wirtschaft eines Landes ein großer Posten; für Österreich betrug der Wert für Stickstoffdünger bei einem Stickstoffverbrauch von 19600 t im Düngerjahr 1948/49 (bei einem Hektarverbrauch von nur 6,05 kg/ha) rund 80 Mill. S. Wie sehr dieser Wert noch gesteigert werden kann, zeigen die oben angeführten Zahlen für Deutschland.
Tabelle 3.
D üngerverbrauch kg/ha
Frankreich
Deutschland
N 2
8,1
29,4
p 2 o 5
19,7
32,2
k 2 0
11,8
49,1
Tabelle 4 2 .
Hektarerträge dz/ha 1938
Frankreich
Deutschland
Weizen.
18,6
27,4
Roggen.
12,9
20,2
Gerste.
17,0
25,4
Hafer .
16,8
23,6
Kartoffel (1935/38) .
110,0
170,6
Zuckerrübe (1935/38).
164,0
321,3
Die Düngerindustrie, insbesondere die Stickstoffdüngerindustrie, ist also für die Wirtschaftslage eines Landes von hoher Bedeutung, und daraus ergibt sich das Bestreben, in den einzelnen Ländern eine eigene chemische Düngerindustrie aufzubauen.
Es gab eine künstliche Stickstoffindustrie von altersher, nämlich die Gewinnung von Salpeter in den sogenannten Salpeterplantagen.
„überall, wo zufällig tierische Substanzen in unmittelbarer Berührung mit Kalk, Kohle und Sand an freier, ruhender Luft in Fäulnis übergehen, ist die reichliche Bildung jenes salpetersauren Salzes beobachtet worden, und diese
2 Aus Adolf Weber: „Weltwirtschaft“, 4. Aufl. 1950.