Aufsatz 
Entwicklung und Stand der Stickstoffdüngerindustrie in Österreich / von Paul Dolch
Entstehung
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Paul Dolch:

nach dem Haber-Bosch- Verfahren seinen Siegeszug durch die Welt angetreten hatte, entschloß man sich 1938, in Linz eine synthetische Stickstoffindustrie nach dem HABER-BoscH-Verfahren aufzubauen. Im Hinblick darauf, daß dieösterreichische Stickstoffwerke Aktiengesellschaft in Linz ein für Öster­reich einzigartiges Unternehmen der chemischen Industrie darstellt, werden im folgenden der Aufbau und die Einrichtungen dieses Werkes näher beschrieben.

III.

Wie bereits erwähnt, ist die Gründung derösterreichischen Stickstoff werke Aktiengesellschaft in Linz durch die Nachbarschaft der Großkokerei der Hütte Linz der Vereinigten österreichischen Eisen- und Stahlwerke (VöEST) bedingt gewesen. Als Werksgelände wurde eine zirka 70 ha große Fläche am rechten Ufer der Donau, nördlich der Bahnstrecke LinzPrag, in unmittelbarer Nähe der VöEST, gewählt. Das Werksgelände, das als ausgesprochenes Augebiet dauernd von Überschwemmungen bedroht war, wurde durch Aufschütten von Kies um 2 bis 4 m gehoben. Durch das Ausheben dieser Massen (über 1,4 Mill, m 3 ) entstand das sogenannteHafenbecken 7 des Linzer Hafens, das den direkten Anschluß des Werkes an den Donau verkehr vermittelt.

Die ersten Arbeiten an der Baustelle fallen in das Frühjahr 1940. Mit den Montagearbeiten der Produktionsanlagen wurde im Frühjahr 1941 begonnen. Im Herbst 1942 konnte der erste Synthesegasofen angeheizt und am 27. Oktober 1942 die Synthesegaserzeugung in Betrieb genommen werden. Dieser Tag ist also als der Geburtstag der Produktion zu bezeichnen. Am 31. Oktober wurde der erste Ammoniak-Syntheseofen eingeschaltet und das erste Ammoniak in flüssiger Form abgeschieden. Da die weiterverarbeitenden Betriebe, die Salpetersäureanlage und die Salzfabrik, noch nicht fertiggestellt waren, wurde zunächst das flüssige Ammoniak in Kesselwagen an die auswärtigen Verarbeitungsstellen gesandt. Am 17. März 1943 nahm die Säurefabrik die Produktion auf, am 19. März folgte die Salzfabrik und am 21. März verließ der erste Zug mit Kalkammonsalpeter (KAS) das Werk. Der erste Ausbau war für eine Kapazität des Werkes von 50 000 Jahres- tonnen Stickstoff (gebunden) vorgesehen.

Durch die Fliegerangriffe 194445 wurden die Werksanlagen schwer in Mit­leidenschaft gezogen; immerhin gelang es, den Betrieb, wenn auch stark ein­geschränkt, bis zur Besetzung von Linz durch die amerikanischen Truppen am 5. Mai 1945 durchzuhalten. Infolge der Wirren und wirtschaftlichen Nöte in der ersten Besetzungszeit blieb das Werk über ein Jahr außer Betrieb. Erst am 27. Mai 1946 wurden die Erzeuger von Synthesegas in der Gasfabrik aufgeheizt, am 10. Juli das erste Ammoniak wieder in der Hochdrucksynthese erzeugt. Am 17. Juli ging die Säurefabrik in Betrieb, so daß von da ab die Wiederaufnahme der Produktion von Kalkammonsalpeter einsetzte. Die Produktionsentwicklung an Kalkammonsalpeter (KAS) zeigen folgende Zahlen:

1946 . 39000 t KAS

1947 . 109000 t

1948 . 226000 t

1949 . 296000 t

1950 . 368000 t