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Erich Kurzel-Runtscheiner:
Wunschspruch / von allerley Welthenndlen / Werckesleuten vn Gewerben / von Newem zusammegetrage“ gibt, folgende Künstler und Handwerker ansässig: Maler, Bildschnitzer und Steinmetze, „Surgilier“, die Edelsteine schliffen und schnitten, „Wirffelmacher“, die Würfel- und „Paternostermacher“, die Rosenkränze herstellten, Uhrmacher, Drechsler, „Kampelmacher“, „Kardettschen- macher“, Besenbinder und Bürstenbinder, Kessler, Kesselflicker und Siebmacher, Bräuer und Distilierer, Müller und Bäcker, Lebzelter, „Ilolahipper“ und Kuchenbäcker. Dann gab es Weißgerber und Gerber, Kürschner und Taschner, Schuster und „Altreysen“, die die Schuhe flickten, Bleicher, Wollschlager, Färber und Weber, Tuchwalker und Tuchscherer, Teppichmacher und Schleierwirker, Schneider, Hutmacher, „Schaubhueter“, die Strohhüte- und „Pyret- macher“, die Barette herstellten. Auch Papiermacher und „Pirgamener“, Buchdrucker und Buchbinder, Brief- und Kartenmaler übten hier ihr Gewerbe aus. Orgelbauer, „Trumetenmacher“, „Trummenmacher“, Lautenmacher, Geigenmacher und Saitenmacher erzeugten Musikinstrumente. Dann gab es Messingschläger, Messingbrenner, Glasmacher und Flaschenmacher, „Püchsengießer, Püchsen- maclier und Büchsenschiffter“ sowie endlich auch „Salitermacher“, die den Salpeter zu gewinnen wußten, der für Lust- und Kriegsfeuerwerkerei unerläßlich war. Dann boten auch Maurer, Zimmerleute, Schreiner, Wagner, Radschmiede und Radmacher ihre Dienste an.
Aus dieser Aufstellung ergibt sich, wie vielfältig Künste und Gewerbe am Beginn der Neuzeit schon aufgespalten waren, die in Innsbruck, wo '— wie auch in anderen Städten des Deutschen Reiches — seit Jahrhunderten der Rechtsgrundsatz galt, daß Stadtluft frei mache, sich angesiedelt hatten. Außer Kunst und Handwerk hatten in der Landeshauptstadt zahlreiche Verwaltungsstellen ihren Sitz. Neben den Stadtbehörden und der „tyrolischen Kanzley“ amtete hier auch die Regierung von „Ober-Österreich“, das damals Tirol und Teile von Vorarlberg und der den Habsburgern gehörenden „Vorlande“ umfaßte. Diese hohe Behörde bestand, wie der verdiente Verfasser der Innsbrucker Chronik, Conrad Fischnaler berichtet, aus dem politische und militärische Agenden führenden „Regiment“, aus der die Finanzgeschäfte betreuenden „Kammer“, die sich auch in Innsbruck damals und später durch ewigen Geldmangel auszeichnete, und aus dem „Wesen“, in dem neben der Betreuung der zwischenstaatlichen Beziehungen auch die besonders wichtige Verwaltung der Forste, der Salinen, des Berg- und Hüttenwesens und die Förderung der Künste und Gewerbe zusammengefaßt war.
Innsbruck, dessen ummauerter Bezirk am Beginn des sechzehnten Jahrhunderts kaum mehr als eine Bodenfläche von etwa je 600 m Länge und Breite umfaßte, also kleiner war als fast alle anderen deutschen, damals zumeist noch wenig volkreichen und engen Städte, war trotzdem zu einem Verwaltungsmittelpunkt von großer Bedeutung geworden. Daß dies geschehen konnte, ergab sich aus der Geschichte der Stadt, in der sich jene des Landes Tirol als eines Teiles des damaligen Deutschen Reiches spiegelte: Schon in der Zeit des Römischen Kaiserreiches führte im Innsbrucker Becken eine Brücke über den Inn; eine Siedlung Oenipontum gab es wohl nicht, dagegen ein Castrum Brionium ad Oenum—Vel- didena und eine römische Zivilstadt Veididena, die etwa an der Stelle der späteren