Das Unterinntal, eine technikgeschichtliche Landschaft.
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Prämonstratenserabtei Witten lag. Mit dem Verfall der Römerherrschaft ging die älteste Innbrücke zugrunde. Das 1138 gegründete Stift Wilten betrieb alsbald nahe der verkehrswichtigen Stelle, wo der Brennerweg, die Sill entlang, von Süden kommend den Inn erreicht, eine Fähre. Diese wird noch 3210 erwähnt, obwohl schon 1180 zum erstenmal über das Bestehen einer mittelalterlichen Innbrücke an Stelle der späteren Stadt Innsbruck berichtet wird. Wenn auch dieser Flußübergang nun wieder bestand, ging der Hauptwarenverkehr doch weiterhin über die im frühen Mittelalter entstandene „Ellbögener Straße“ und über die Hügel, die das Inntal südöstlich von Innsbruck begrenzen, so daß dieser Weg den Inn erst bei Hall an einer Stelle erreichte, wo er in alten Zeiten wahrscheinlich auf einer Furt überquert werden konnte.
Schon 1209 erwähnt Arnold von Lübeck „Innsbrugge“ als „civitas“. In dieser entstand kaum 20 Jahre später eine Münzstätte. 1234 erhielt Innsbruck von dem Grafen von Andechs ein Stadtrecht. Nach dem 1264 erfolgten Aussterben dieses Hauses wurde Tirol unter Albrecht IV., der sich als Erster „Graf von Tirol“ nannte, aus dem Herzogtum Bayern gelöst. Nach kurzer Teilung, die Albrechts Tod folgte, vereinigte Meinhard II. 1284 wiederum die Landesteile nördlich und südlich des Brenners, die nun durch 635 Jahre — bis 1918 — vereinigt blieben. Meinhards Enkelin Margarethe Maultasch, trat, kinderlos trotz zweimaliger Ehe, als ihr letzter Gemahl, einer der Söhne Kaiser Ludwig des Bayern, 1361 starb, ihre Herrschaftsrechte an ihren habsburgischen Vetter Rudolf IV. den Stifter ab. In dem nun entstehenden Erbstreit gingen die späterhin an Bergsegen reichen Gerichte Rattenberg, Kitzbühel und Kufstein 1369 an Bayern verloren. Erst Maximilian, der spätere Kaiser, konnte diese Gebiete 1504 im sogenannten Bayerischen-pfälzischen Erbfolgekrieg zurückgewinnen. Er besaß seit 1490 in Tirol die Rechte eines Landesherrn neben seinem Onkel Sigmund, der als Herrscher über Tirol, des silberreichsten Landes der damaligen Welt, den Beinamen „der Münzreiche“ erhalten hat, es aber trotzdem verstand, den Segen des Stammlandes restlos zu vergeuden.
Inzwischen war Innsbrucks Stellung, die lange Zeit durch das rivalisierende Hall gefährdet schien, durch eine verkehrsregelnde Maßnahme endgültig sichergestellt worden: 1481 hatte Herzog Sigmund als Landesfürst angeordnet, daß die vom Brenner nordwärts ziehenden Fuhrwerke ihre Waren nicht mehr über die Ellbögener Straße nach Hall, sondern zur Niederlage in Innsbruck, das hiermit das Stapelrecht erhielt, zu führen hätten. Damit war die Stadt Innsbruck endgültig zu jenem wichtigen Verkehrsknotenpunkt geworden, der sie bis heute geblieben ist; dies wurde zur Grundlage eines trotz aller Widrigkeiten unaufhaltsamen Aufstieges.
Stahl und Erz.
Innsbruck war, seit Maximilian 1490 der Mitregent seines kinderlosen Oheims geworden war, nicht nur alsbald zum Sitz der Zentralgewalt eines großen Teiles der Habsburgischen Lande, sondern auch — vom neuen Herrn bewußt dazu gemacht — zu einem der Mittelpunkte des Kunstbetriebes und der Wehrindustrie der damaligen Zeit geworden; hier war das Zentrum von vier der wichtigsten