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Erich Kurzel-Runtscheiner :
Sonderzweige der Technik jener Tage, der Plattnerei, des Bildgnsses, des Bergbaues, dessen Hauptverwaltungsstelle in Innsbruck ihren Sitz hatte, und des Geschützwesens, dem Maximilian durch sein großes artilleristisches Können und durch seine Förderung eine das Heerwesen und die Kriegskunst aller europäischen Völker beeinflußende neue Gestalt zu geben wußte.
In der Wehrtechnik des ausgehenden Mittelalters war die Plattnerei zu besonderer Bedeutung gelangt. Im Zuge dieser Entwicklung war Innsbruck bald zu einem Vororte dieser technischen Kunst geworden. Der Plattenharnisch ist am Anfang des vierzehnten Jahrhunderts in Mailand entstanden. Die Kunstfertigkeit, die die Anfertigung dieser Schutzbewaffnung voraussetzt, blieb durch Jahrzehnte ein Monopol der in dieser Stadt ansässigen Meister. Wie andere Fürsten, so versuchten auch die Habsburger die Sonderstellung Mailands zu durchbrechen. Schon 1412 hatte in Wiener Neustadt, in der Residenz Albrecht V. (als Kaiser II.) ein Harnascher Ulrich eine Plattnerwerkstätte. Der Tiroler Landesherr Friedrich mit der leeren Tasche (1406—1439) übernahm ihn wohl im genannten Jahr in seinen Dienst. Als ältester urkundlich genannter in Tirol ansässiger Plattner erscheint aber 1424 ein Meister Hans. Er ist in Mühlau, damals „zu den Mulen“ oder „Mulein“ genannt, angesiedelt. Dort entstand, durch die Wasserkraft des Wurmbaches begünstigt, eine Art Industriesiedlung. Die sich entwickelnde Mühlauer Plattnerei wurde auch von Herzog Sigmund dem Münzreichen (1427—1497) wirksam gefördert. Dies hatte zur Folge, daß die Tiroler Harnischschlägerei rasch zu hoher Blüte gelangte und daß ihre Erzeugnisse bald auch von fremden Fürsten begehrt wurden. Wenige Jahre nach dem Regierungsantritt Herzog Sigmunds (1439) muß sich die Meisterfamilie der Treytz in Mühlau angesiedelt haben. Aus der Werkstatt der Treytz, deren Begründer der 1469 in Innsbruck verstorbene Konrad Treytz war, gingen um die Jahrhundertwende so vortreffliche und prächtige Erzeugnisse der Plattner- kunst hervor, daß diesen damals nur die Harnische an die Seite gestellt werden konnten, die die ebenfalls in Mühlau ansässigen Plattner Caspar Biederer und Konrad Seusenhofer verfertigten. Aus der Werkstatt Seusenhofers stammt auch der Leibharnisch, den Maximilian I. in seinen Mannesjahren bei ritterlichen Taten als Stechzeug trug.
Als im Jahre 1502 — also noch zu Lebzeiten Maximilians — die Arbeiten für sein Grabmal beginnen sollten und die mit diesen betrauten Meister auch in Mühlau Werkstätten zugewiesen erhielten, wurde die Mühlauer Siedlung zu enge. Maximilian kaufte daher 1505 eine Behausung am Georgentor in Innsbruck und errichtete hier an jener Stelle, wo heute das Tiroler Landhaus steht, eine zweite Plattnerei. Während die einfacheren Harnische auch weiterhin in Mühlau erzeugt wurden, sollten von nun an die Prunkharnische in der südlich der Stadt neu begründeten Plattnerei angefertigt werden. Mit der Leitung dieser Werkstatt, die nun die Hof plattnerei wurde, betraute Maximilian seinen Leibharnischmeister Konrad Seusenhofer.
Eine Stelle im „Weisskunig“ erzählt, daß Maximilian auch durch eigenes Eingreifen zur Verbesserung der Harnischerzeugung beigetragen habe: Ein Härteverfahren, das den Treytz seinerzeit bekannt gewesen sei, wäre durch