Das Unterinntal, eine technikgeschichtliche Landschaft.
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„Absterben“ der wenigen, die darum wußten, in Vergessenheit geraten. Maximilian hätte, als ihm dies berichtet wurde, „der künstlichen hert... mit großem vleiss nachgedacht und die aus seinem aigen Verstand erfunden und die seinem hofplatner in der obgemelten Platnery, mit namen Conrad Seysen- hofer, gelernt und underwisen“. Noch hundert Jahre später war dieses Härte- verfahren unübertroffen. Dies beweist eine Stelle in Shakespeares „Othello“ (V. Akt,
2. Szene, in der von einem „sword of Spain, in Isebrock’s temper*, also von einem spanischen Schwert, das nach dem Innsbrucker Verfahren gehärtet war, die Rede ist. Mit dem Anfang des siebzehnten Jahrhunderts begann dann das Tiroler Plattnerhandwerk hinzuschwinden, nachdem es durch zweihundert Jahre zur Ehre und zu Nutz des Landes in aller Welt bestanden hatte.
Der Bildguß hatte schon immer Maximilians Interesse besessen. Besondere Förderung empfing diese Betätigung, die nicht bloß als ein Zweig der Kunst, sondern auch als ein technisches Verfahren gewertet werden muß, seit Maximilian 1502 den Entschluß gefaßt hatte, sich ein großartiges Grabmal zu schaffen. Dieses sollte im Rahmen der zahlreichen von ihm angeordneten „Gedächtniswerke“, wie Vinzenz Orer- hammer in seinem 1935 in Innsbruck erschienenen prächtigen Werk „Die Bronzestandbilder des Maximiliangrabmales in der Hofkirche zu Innsbruck“ darlegt, „indem es die Vorfahren des Fürsten verherrlicht, den Ruhm des Stammes und den Ruhm des Kaisertums an sich preisen und so mittelbar die Größe und Erhabenheit des Herrschers aufzeigen“. Dieses Ziel sollte dadurch erreicht werden, daß an einem Tumbabau, der die Mitte des Grabmals bilden sollte, Marmorreliefs die Taten Maximilians darstellten, und daß 20 kleinere Bronzebüsten römischer Cäsaren den „Ruhm des Kaisertums“ und 40 große Bronzestandbilder den „Ruhm des Hauses Habsburg“ verkündeten. Den Mittelpunkt des Ganzen sollte ein knieendes Bronzebildnis des
Bild 2. Kaiser Maximilian I. im Gußhaus. Nach „Vita Friderici et Maximiliani“ um 1505. Staatsarchiv, Wien.
* BfTG/1, S. 104. Wien 1932.