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Erich Kurzel-Runtscheiner:
Monarchen einnehmen, der inmitten seiner ideellen Vorbilder und leiblichen Vorfahren dem Allerhöchsten Herrn jene Ehre erweist, die diesem gebührt. Während die Herstellung der Marmorreliefs erst viel später in die Wege geleitet und von 1563 an, vom Bildhauer Alexander Colin von Mecheln meisterhaft durchgeführt wurde und auch die Büsten römischer Kaiser zwar teilweise hergestellt, aber dann nicht im Rahmen des Grabmals aufgestellt wurden, ließ Maximilian die Arbeiten an den Erzbildern sofort beginnen.
Obwohl uns die Standbilder heute im wahrsten Sinn des Wortes als „Meisterwerke aus einem Guß“ erscheinen, sind sie doch „Gemeinschaftsarbeit“: Für jedes dieser Bildwerke stellte ein Maler zunächst eine „Statuenzeichnung“ kleineren Formats her. Dann schuf er nach dieser mit seinen Hilfskräften eine naturgroße, „auf Tücher gerissene“, in orthogonaler Projektion gehaltene „Visierung“, nach der ein Bildschnitzer aus Holz ein „Gußmodell“ fertigte; nach ihm formte ein Gießer eine „Gußform“, in der der Guß im Wachsausschmelzverfahren erfolgte. Die Werkstatteinrichtungen für die beinahe über ein halbes Jahrhundert verteilten Bildgüsse wurden in dem nun als Vorstadt zu Innsbruck gehörenden Mlihlau 1502 geschaffen. Ein im Tirolischen Landesarchiv in Innsbruck verwahrter Plan, den Maximilians Hofmaler und Hofbaumeister Jörg Kölderer gezeichnet hat, von dem auch der leider längst abgetragene Wappenturm der alten Hofburg in Innsbruck bemalt wurde, zeigt die Mühlauer Anlagen im Zustand um das Jahr 1530: Entlang dem die Triebkräfte für die Gebläse der Schmelzöfen spendenden Wurmbach sehen wir die Schmelzhütten, die Gußwerk- stätten und die Wohngebäude auf gereiht; hier werkten die „Grabgießer“ und schufen jene noch heute bewunderten und zu den größten künstlerischen und technischen Leistungen gehörenden 28 Standbilder, die den Innsbrucker Kenotaph Maximilians als „gewaltige Grabbegleiter“ umstehen, während sein Leib in der Georgskapelle des einstmals Babenbergerburg und später Kaiserburg gewesenen Gebäudes in Wiener Neustadt begraben liegt, in dem 1751 bis 1938 die Theresianische Militärakademie untergebracht war.
Die Leiter der Werkstätten, deren Aufgabe die Herstellung der Standbilder und der übrigen Plastiken gewesen ist, waren nacheinander der Maler Gilg Sesselschreiber, der Gießer Stephan Godl und nach einer Unterbrechung von Jahren der Gießer Gregor Löffler. Gilg Sesselschreiber, dem die Arbeiten für das Grabmal 1502 anvertraut wurden, war ein genialer Künstler, aber wenig verläßlich, arbeitsfreudig und betriebsam. Sesselschreiber beherrschte durch sein künstlerisches Können seine Werkstatt völlig, obwohl ihm seit 1508 in Stephan Godl ein zwar kongenialer Meister der Gießkunst zur Seite stand, der aber doch nur Handwerker, nicht aber Künstler im eigentlichen Sinne gewesen ist. Trotzdem wurde Godl, als nach mancherlei Mißhelligkeiten Sesselschreiber 1520 entlassen wurde, die Führung der Werkstätte übertragen. Godl konnte nur ihr technischer und geschäftlicher Leiter sein. Daher wurde ihm im Hofmaler Jörg Kölderer eine Künstlerpersönlichkeit hohen Ranges beigeordnet, ja im gewissen Sinn sogar übergeordnet. Als Godl 1534 starb, führte dies und die mangelnde Initiative der Regierung zu einer viel jährigen Unterbrechung der Bildguß-Arbeiten für das Grabmal. Erst 1547 wurde ein