Das Unterinntal, eine technikgeschichtliche Landschaft.
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neuer Leiter für die Werkstätte im berühmten Gießer Gregor Löffler bestellt, der diese Stellung bis zu seinem 1565 erfolgten Tod innehatte. Ihm stand als Künstler der Augsburger Maler Amberger zur Seite.
Neben den Guß Werkstätten in Mühlau war dortselbst im noch heute, wenn auch im umgebauten Zustand bestehenden Bilderhaus, eine „Visierstuben“ als Arbeitsraum des Malers und seiner Gehilfen eingerichtet.
Hier wurden die großen Visierungen ausgearbeitet und aufbewahrt; später standen hier auch die fertigen Statuen, bis sie fast acht Jahrzehnte nach Kaiser Maximilian I. Tod in der Hofkirche in Innsbruck aufgestellt wurden.
Sowohl Stephan Godl als auch Gregor Löffler waren ihres Zeichens eigentlich Büchsenmeister und Stückgießer; sie gehörten einer in ihrer Zeit hochgeachteten Gilde an. Denn damals entwickelte sich die Pulverwaffe eben zu den Anfängen der Artillerie im neuzeitlichen Sinne. Kaiser Maximilian I. wurde von seinen Zeitgenossen mit vollster Berechtigung als „Meister der Arkelei“ gefeiert; denn er warder erste artilleristische Fachmann seiner Zeit. Er hat neben anderen Zeughäusern, deren Inhalt er von tüchtigen Künstlern in den drei Bänden der mit farbenprächtigen Miniaturmalereien auf jeder Seite gezierten „Zeugbücher“ abkonterfeien ließ, auch in Innsbruck zwei Zeughausbauten errichtet. Eines von diesen, der ältere Bau, stand neben der Innbrücke an der Wasserseite der ummauerten Stadt, das neue Zeughaus aber, das „Büxenparadies“, wie es die Zeitgenossen hießen, wurde 1507 an der Wiedereinmündung eines der Wasserkraftnutzung und der gewerblichen Nutzung dienenden Sillarmes in die Sill errichtet. In dessen Nähe war auf Befehl Maximilians auch ein sicherer Einschußplatz für die Geschütze ausgesteckt worden.
Beide Zeughäuser Innsbrucks standen unter einheitlicher Leitung. In ihnen wurden nicht nur die besten Kriegswaffen jener Zeit fertiggestellt und verwahrt; es waren auch, wie der „Tyroler Landreim“ berichtet, „Darjnn geschickht Werck-
Bild 3. Epitaph für den Büchsenmeister und Stückgießer Gregor Löffler. Museum Ferdinandeum, Innsbruck.