Aufsatz 
Das Unterinntal, eine technikgeschichtliche Landschaft / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Erich Kurzel-Runtscheiner:

leut vberauss. Georndt durch den Zewgmaister wol Zu der handt so bald manss habn sol. Das Gebäude dieses Zeughauses hat sich als einziges seiner Art im Bauzustand kaum verändert erhalten. Es wäre Ehrenpflicht, dieses Ge­bäude als Zeuge der großen maximilianischen Zeit in alter Form, die aus Ab­bildungen der Zeit ersichtlich ist, wiederherzustellen und museal zu gestalten.

Maximilian war sicher einer der bedeutendsten Kriegstechniker aller Zeiten. Die Neuerungen, die er auf dem Gebiete der Bewaffnung einführte, waren so bedeutsam, daß sie eine völlige Umstellung der Kampf weise erzwangen. Die von ihm in die Wege geleiteten Fortschritte hätten ihm aber ohne seine tüchtigen Mitarbeiter niemals gelingen können. Unter diesen ragte insbesondere Maxi­milians oberster Hauszeugmeister, der unermüdliche und erfahrene Bartholo­mäus Freysleben hervor. Ihm unterstanden zahlreiche treffliche Büchsen­meister und Stückgießer, von denen neben den schon erwähnten Stephan Godl und Gregor Löffler, dessen Vater Peter Leyminger, genannt Löffler, und dessen andere Nachfahren, ferner Jörg und Alexander Endorfer und die Seelos als Meister ihres Faches weit über die Grenzen Deutschlands bekannt waren. Daß der Kaiser so vorzügliche Mitarbeiter und Verwirklicher seiner Pläne zu finden wußte, ist, ganz abgesehen von dem ihm eigenen waffentechni­schen Können, sein großes Verdienst gewesen.

Nach dem 1519 eingetretenen Tod Maximilian I. aber wurden die Vorsorgen für den Ausbau der kaiserlichen Artillerie alsbald geringer. Kaiser Karl V. ordnete kaum zehn Jahre nach seines Vaters Tod den Umguß der Geschütze an. Dieser wurde 15301554 in Innsbruck und in Augsburg durchgeführt. So schmolz 1537 Gregor Löffler auf Befehl seines kaiserlichen Herrn auch die maximiliani­schen Riesengeschütze, die bei der 1504 erfolgten Beschießung und Erstürmung der Feste Kufstein mitgewirkt hatten, in einem eigens dazu gebauten Ofen ein.

Als Moritz von Sachsen 1552 an der Spitze der Schmalkalden in Tirol ein­fiel, wäre Kaiser Karls Flucht vielleicht nicht nötig gewesen, wenn der Enkel das artilleristische Instrument Maximilians noch unversehrt in seiner Hand gehalten hätte. Auch diesmal war ein wehrtechnisches Ereignis entscheidend gewesen: Die Ernberger Klause hatte der rasch herangeführten Artillerie der Schmal­kalden nicht standhalten können. So konnten sich deren Heerhaufen, kaum auf­gehalten, ins Inntal ergießen. Die fürstlichen Heerführer der Schmalkalden blieben, als sie den Hauptzweck ihres Zuges nach Tirol, die Gefangennahme des Kaisers vereitelt sahen, nur zwei Tage in Innsbruck. Am 25. Mai 1552 fuhren sie den Inn abwärts zu Schiff nach Passau, während ihr Kriegsvolk requirierend und plündernd durch das Oberinntal abzog. Nach wenigen Wochen waren die kriege­rischen Ereignisse des Schmalkaldeneinfalles wie ein böser Alptraum vorüber. Sie hatten aber der Wirtschaft und der Technik Tirols einen nie wieder gutzu­machenden Schaden zugefügt; und Metz, Toul und Verdun, die die Schmalkalden Frankreich für seine Schützenhilfe zugesagt hatten, blieben dem Reich für immer verloren.

Kaiser Karl V. aber mußte die Erfolglosigkeit seiner Bemühungen, ein großes, durch eine Zentralgewalt geleitetes Weltreich zu schaffen, einsehen. Mit der Welt zerfallen, dankte er 1555 ab. Mit diesem weltgeschichtlichen Ereignis ging