Aufsatz 
Das Unterinntal, eine technikgeschichtliche Landschaft / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Das Unterinntal, eine technikgeschichtliche Landschaft.

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der 1858 dem Verkehr übergebenenUnterinntaler-Bahn, deren Gleise zwischen dem Innsbrucker Hauptbahnhof und dem Inn über einen Steinbogenviadukt ge­führt sind. Die Eröffnung des Verkehrs dieser Eisenbahnstrecke, die von Inns­bruck ausgeht, in Wörgl den Anschluß an die von Salzburg kommende Bahnlinie findet, um sich sodann nach Norden zu wenden und an Kufstein vorbei in Rosen­heim die Strecke MünchenWien zu erreichen, hat im Wirtschaftsleben des Unter- inn tales eine entscheidende Umwälzung herbeigeführt, deren technische Aus­wirkungen noch zu schildern sein werden.

Dem Tale folgend, gelangt man, an reichen am Fuß der Berghänge liegenden Dörfern vorbei, nach Hall in Tirol, von dem die Beschriftung einer 1561 ent­standenen und demSchwazer Bergbuch beigebundenen Haller Stadtansicht be­richtet :Hall die Statt ligt ein meil wegs von Insprugg, und hat alda die... Kai... äst ain große und langwirige Gotsgab und Saltzfindens... und übertrifft dis Saltz, an der güeten vil anderes Saltz. Got geb gnad, das es Ehwig bestendig bleib. Hall verdankt seine Entstehung einerseits dem Flußübergang, der hier fast ein Jahrtausend besteht, und den reichen Salzfunden seiner Berge. Als diese in den ersten Jahren des dreizehnten Jahrhunderts (vor 1217) erschlossen wur­den, nannte man die Saline, wie der Leiter des Innsbrucker Landesarchivs Otto Stolz berichtet, nach dem Schloß Thaur salina in Intal iuxta Tavr castrum (1232), zu dessen Gerichtsherrschaft das Halltal und das diesem vorgelagerte Inntal gehörte.

Eine Volkssage will behaupten, daß der Heilige Romedius, der im vierten Jahr­hundert als Zeitgenosse des ersten Bischofs von Trient St. Virgilius im Nonsberg lebte und dort noch heute im Wallfahrtsort San Romedio verehrt wird, der Be­gründer der Haller Salzgewinnung gewesen sei. Wenn diese tatsächlich auf eine Persönlichkeit namens Romedius zurückgeht, dann ist sie sicher nicht mit dem genannten Heiligen identisch. Es könnte sich aber um einen Ministerialen des Tridentiner Bistums handeln, dem an der Wende vom zwölften zum dreizehnten Jahrhundert die Herrschaft Thaur gehörte, und der worauf der Name Rome­dius schließen läßt aus dem Nonsberg über den Brenner kam.

Ol) die Salzgewinnung im Halltal in der allerersten Zeit der Ausbeutung der Funde mit natürlicher Quellsole arbeitete oder schon mit einer Sole, die durch künstliche Auslaugung bergmännisch gebrochenen Salzgesteins gewonnen wurde 1283 taucht erstmalig die Bezeichnungfodina salis in Verbindung mit dem Namen des aus dem Salzkammergut herbeigerufenen Salinenfachmannes Niklas von Rohrbach auf, läßt sich aus den Urkunden nicht sicher feststellen. Eine alte Überlieferung aber will wissen, daß Dörrgerüste und Pfannhaus zuerst im Inneren des Halltales gestanden hätten; 1256 aber spricht eine Urkunde zum ersten Mal vomsalczhaus zu Hall. Diese Verlegung des Salinenbetriebes an den Inn war wohl der Hauptanlaß zum raschen Anwachsen Halls zur bedeutenden Stadt. Hier wie anderswo ist das allgemeine BegriffswortHai, das seit Ur­zeiten eine Stätte der Salzgewinnung bedeutet, zum Ortsnamen geworden.

Die von Niklas von Rohrbach eingeführte Gewinnungsmethode, denSaltz- kern davonzuhauen und ihn dann obertags auszulaugen, wurde, wie das Schwazer Bergbuch berichtet, noch 1561 geübt; wann im Halltal mit der Auslaugung im

Technikgeschichte, 13. Heft.

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