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Erich Kurzel-Runtscheiner:
insbesondere zu einer umfangreichen Baumwollindustrie emporwuchs, nimmt heute im Innsbrucker Erwerbsleben die erste Stelle ein. Auch ist Innsbruck der Mittelpunkt der hochentwickelten Elektrizitätswirtschaft Tirols. Ferner bestehen hier Kunstmühlen, Erzeugungswerkstätten von Kaffeesurrogaten, Selcherwaren und anderen Lebensmitteln sowie auf dem Gebiet des Kunstgewerbes Werkstätten für Glasmalereien und Mosaiken. Auch im Buch- und Kunstdruck steht Innsbruck an hervorragender Stelle. Die Art seiner Bewohner und insbesondere die charakterlichen Verschiedenheiten zwischen Nord- und Südtiroler macht der Staatsarchivar Anton Dörrer in der Einleitung seines kulturgeschichtlich so interessanten Buches „Bozner Bürgerspiele“ mit folgenden Sätzen verständlich:
„Die felsigen und schneegeschmückten Bergriesen und Sperrwände, die diesem Innsbruck einen wuchtigen, bis zum Kämpferischen unerbittlich gesteigerten Ernst der Abgeschlossenheit auf die Stirne drückten, der stärkere Einschlag von Kraft, Zähigkeit und Eigenwillen ist an dieser Bevölkerung nicht zu verkennen... Nach wie vor wetterleuchtet elementare Schwere im Leben und Schaffen dieser Alpenstadt und ihres Landes.“
Wasser und Salz.
Wenn man die Brücke überschritten hat, die der Stadt Innsbruck den Namen gegeben hat, um sich nun am linken Flußufer stromabwärts zu wenden, folgt man im Zug der heutigen Innstraße dem einstigen Hauptverkehrsweg durchs Unter- inntal: Links über der Stadt liegt Schloß Büchsenhausen, das an jener Stelle steht, an der sich 1528 der Stückgießer Gregor Löffler auf dem vom späteren Kaiser Ferdinand I. erworbenen Gartengrund eine Gußhütte und 1548—1550 eine schloßartige Heimstatt erbaute, die er das Büchsenhaus nannte.
^Noch heute wie einst heißt der nun folgende Teil dieser Verkehrsader „Hoher Weg“. Ihn überwölbt, als erste von drei nahe aneinander liegenden Brücken über den Inn, steil ansteigend, jene der Hungerburgbahn. Ihr folgt die Mühlauer Innbrücke; sie steht an der Stelle, wo schon Erzherzog Ferdinand II. von Tirol, der für seine Gattin Philippine Welser Schloß Ambras zur weltberühmten fürstlichen Heimstätte ausgestalten ließ, 1581 für Hof zwecke eine Holzbrücke erbaut hatte, die dann 1643 dem allgemeinen Verkehr freigegeben wurde. In den Jahren 1838 bis 1842 wurde diese alte Brücke durch eine Kettenbrücke ersetzt, die sowohl in brückenbautechnischer als auch in architektonischer Hinsicht eine Meisterleistung ihrer Zeit gewesen ist. Sie wurde als erste Kettenbrücke Tirols nach dem Entwurf und unter der Bauleitung des auch als Wildbachverbauer und Wasserbauer berühmt gewordenen Tiroler „Baudirektionsadjunkten“ Josef Duile errichtet. Die eisernen, in den damals noch blühenden Tiroler Eisenwerken Piller- see und Jenbach hergestellten Ketten, die die hölzerne Fahrbahn trugen, hingen zwischen den zwei aus Quadersteinen gebauten Brückentürmen, die dem Ganzen „einen wertvollen Rahmen verliehen und dieses Bauwerk geradezu zu einem Wahrzeichen Innsbrucks machten“. Aus Verkehrsrücksichten mußte man sich 1937 entschließen, die fast hundertjährige Kettenbrücke durch eine neuzeitliche Vollwandträger-Stahlbrücke zu ersetzen, die auf zwei Flußpfeilern ruht.
Folgt man dem Inn weiter stromabwärts, dann gelangt man alsbald zur Brücke