Das Unterinntal, eine teclmikgeschichtliche Landschaft.
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langt. Hier wurden im Münzerturm seit Herzog Sigmunds Zeiten die Guldengroschen geschlagen, die die Vorläufer des Talers waren; hier ließ 1809 Andreas Hofer die „Sandwirtszwanziger“ prägen. Am Innufer stehen noch heute aus Stein gebaute Lagerhäuser, die an die Zeit der regen Innschiffahrt erinnern. An der Haller Brücke, über die die einst so verkehrsreiche Straße vom Brennpr führte, stand früher das „Badl“, in dessen mit Sole gefüllten Holzzubern die Kranken Heilung zu finden hofften. Heute steht am Nordrand von Hall, das noch immer sein malerisches Stadtbild bewahrt hat, das neuzeitige Kurmittelhaus, dem neben der reinen Sole auch eine erdig alkalische Heilquelle zur Verfügung steht. An ihm vorbei führt ins Halltal die Salzstraße zum „Hohen Salzberg“, der mit seinen Herrenhäusern und Knappenhäusern das Ziel vieler Fremder geworden ist. über die Geschichte der Saline berichtet das Bergbaumuseum, das in einem der vielen alten Baulichkeiten des Stadtkerns von Hall untergebracht ist.
Wasserkraft und elektrischer Strom.
Dem Lauf des Inn folgend, erreicht man bald die nach einem Brand neu errichteten Anlagen des Stiftes Fiecht, das auf die 1138 gegründete Benediktinerabtei und auf eine schon vorher bestehende Klostersiedlung St. Georgenberg zurückgeht. Dessen Wallfahrtskirche steht auf einem Felsenkegel und ist auch heute noch ein vielbesuchtes Ausflugsziel. Kaum einer der Besucher wird wissen, daß sich im steilen, schluchtartig sich verengenden Stallental, durch das er emporsteigt, die Spuren einer der ältesten Wasserbringungs- und Wasserkraftanlagen auf heimischem Boden erhalten haben.
Die hier im elften Jahrhundert entstandenen Wasserbauten werden in der Chronik des Stiftes erwähnt, die berichtet, die Mönche hätten nach einer 1097 durch Kaiser Heinrich IV. erfolgten Begabung „mit merklicher kost nach dem berg den Felssen hauen lassen, den prunn und mühlbach zu dem gotshaus geführt“. Noch heute zeugt eine in die senkrechten Felswände der Georgenberger Klamm gehauene Galerie für die technische Sparte der einstigen Kulturarbeit der Klöster, zu der auch die Einführung des Wasserrades in Mitteleuropa zu zählen ist.
Diese St. Georgenberger Wasserkraftanlage scheint auch einer frühen technischen Abbildung zugrunde zu liegen: Um 1430 zeichnete der sogenannte „Anonymus der Ilusitenkriege“ auf ein Blatt seiner in München verwahrten technischen Bilderhandschrift ein von einem kirchenbekrönten Felsberg aus gespeistes turbinenartiges, um eine senkrechte Welle umlaufendes Wasserrad. Alle Einzelheiten der Zeichnung lassen den Schluß zu, daß es sich um die St. Georgenberger Anlage handle. Von der Wasserkraftmaschine sagt die Beschriftung „Ain pabst in Rom hat sy erdacht“.
Nur wenige Stunden Weges von dieser mittelalterlichen Nutzung der Kraft des Wassers hat das zwanzigste Jahrhundert das Achenseekraftwerk errichtet. Dieses, ein Meisterwerk neuzeitlicher Energiebewirtschaftung, wurde 1914 bis 1927 gebaut, nachdem der Plan schon ein halbes Jahrhundert vorher erstmalig gefaßt worden war. Als natürliches Staubecken dient der etwa 420 m über der Sohle des
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