Aufsatz 
Das Unterinntal, eine technikgeschichtliche Landschaft / von Erich Kurzel-Runtscheiner
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Das Unterinntal, eine teclmikgeschichtliche Landschaft.

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langt. Hier wurden im Münzerturm seit Herzog Sigmunds Zeiten die Gulden­groschen geschlagen, die die Vorläufer des Talers waren; hier ließ 1809 Andreas Hofer dieSandwirtszwanziger prägen. Am Innufer stehen noch heute aus Stein gebaute Lagerhäuser, die an die Zeit der regen Innschiffahrt erinnern. An der Haller Brücke, über die die einst so verkehrsreiche Straße vom Brennpr führte, stand früher dasBadl, in dessen mit Sole gefüllten Holzzubern die Kranken Heilung zu finden hofften. Heute steht am Nordrand von Hall, das noch immer sein malerisches Stadtbild bewahrt hat, das neuzeitige Kurmittel­haus, dem neben der reinen Sole auch eine erdig alkalische Heilquelle zur Ver­fügung steht. An ihm vorbei führt ins Halltal die Salzstraße zumHohen Salz­berg, der mit seinen Herrenhäusern und Knappenhäusern das Ziel vieler Frem­der geworden ist. über die Geschichte der Saline berichtet das Bergbaumuseum, das in einem der vielen alten Baulichkeiten des Stadtkerns von Hall unter­gebracht ist.

Wasserkraft und elektrischer Strom.

Dem Lauf des Inn folgend, erreicht man bald die nach einem Brand neu er­richteten Anlagen des Stiftes Fiecht, das auf die 1138 gegründete Benediktiner­abtei und auf eine schon vorher bestehende Klostersiedlung St. Georgenberg zurückgeht. Dessen Wallfahrtskirche steht auf einem Felsenkegel und ist auch heute noch ein vielbesuchtes Ausflugsziel. Kaum einer der Besucher wird wissen, daß sich im steilen, schluchtartig sich verengenden Stallental, durch das er emporsteigt, die Spuren einer der ältesten Wasserbringungs- und Wasserkraft­anlagen auf heimischem Boden erhalten haben.

Die hier im elften Jahrhundert entstandenen Wasserbauten werden in der Chronik des Stiftes erwähnt, die berichtet, die Mönche hätten nach einer 1097 durch Kaiser Heinrich IV. erfolgten Begabungmit merklicher kost nach dem berg den Felssen hauen lassen, den prunn und mühlbach zu dem gotshaus ge­führt. Noch heute zeugt eine in die senkrechten Felswände der Georgenberger Klamm gehauene Galerie für die technische Sparte der einstigen Kulturarbeit der Klöster, zu der auch die Einführung des Wasserrades in Mitteleuropa zu zählen ist.

Diese St. Georgenberger Wasserkraftanlage scheint auch einer frühen tech­nischen Abbildung zugrunde zu liegen: Um 1430 zeichnete der sogenannteAno­nymus der Ilusitenkriege auf ein Blatt seiner in München verwahrten tech­nischen Bilderhandschrift ein von einem kirchenbekrönten Felsberg aus ge­speistes turbinenartiges, um eine senkrechte Welle umlaufendes Wasserrad. Alle Einzelheiten der Zeichnung lassen den Schluß zu, daß es sich um die St. Georgen­berger Anlage handle. Von der Wasserkraftmaschine sagt die BeschriftungAin pabst in Rom hat sy erdacht.

Nur wenige Stunden Weges von dieser mittelalterlichen Nutzung der Kraft des Wassers hat das zwanzigste Jahrhundert das Achenseekraftwerk errichtet. Dieses, ein Meisterwerk neuzeitlicher Energiebewirtschaftung, wurde 1914 bis 1927 gebaut, nachdem der Plan schon ein halbes Jahrhundert vorher erstmalig gefaßt worden war. Als natürliches Staubecken dient der etwa 420 m über der Sohle des

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