38
Erich Kurzel-Runtsciieiner:
Inntales liegende Achensee. Dessen Landschaft ist völlig unversehrt, da einzig das Einlaufwerk mit einigen Teilen über den Seespiegel emporragt. Auch der Hang des Inntales, in dem der Druckschacht geführt ist, läßt nichts von den gigantischen Kräften ahnen, die der Mensch hier der Natur abgezwungen und sich dienstbar gemacht hat. Nahe dem Innufer steht das Krafthaus, aus dem der
Strom für den Betrieb der Eisenbahnen und für das Tiroler und bayrische Überlandnetz entnommen wird. Zwischen ihren Masten gespannte Stromleitungen, denen das Auge weithin durch das Inn- tal zu folgen vermag, führen zu den Verbrauchern. Das Achenseekraftwerk arbeitet in Verbund-' Wirtschaft mit den südbayrischen und den Tiroler Kraftwerken zusammen, von denen insbesondere jene des Zillertales, als zum Gebiet des Unterinntales gehörig, erwähnt sein mögen.
Silber, Kupfer, Eisen und Glas.
Das Unterinntal war am Ausgang des Mittelalters durch glückhaften Bergsegen eine der reichsten Landschaften Deutschlands geworden. Nicht nur Eisen, auch Kupfer und Silber in großen Mengen wurde hier gewonnen. Durch den ergiebigen Silberbergbau am Falkenstein wurde Schwaz um 1500 einer der bedeutendsten Bergwerksorte der Welt. 1427 werden die ersten Verleihungen von Eisenerz und Silbererz „an dem gepirge ob Swacz" erwähnt. Schon 1480 aber, als der spätere Kaiser Maximilian I. nach Tirol zog, um die Erbschaft dieses Landes von seinem Onkel Sigmund dem Münzreichen zu erwerben, empfingen den jungen Fürstensohn 7400 Gewerken und Bergleute, die Schwaz damals bereits beherbergte, „im Gewehr und mit fliegenden Fahnen". Denn der Bergbau hatte sich rasch entwickelt. Er machte Schwaz in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts zum Mittelpunkt des internationalen Silberhandels. Dies hatte zur Folge, daß auch die mächtigste Kaufherrenfamilie der damaligen Zeit, die Augsburger Fugger, einen ihrer Sprossen nach Schwaz entsandte. Noch heute
Bild 7. Das Fuggerhaus in Schwaz in Tirol; unter dem Erker ein Standbild Georgs von Frundsberg.