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Erich Kurzel-Runtscheiner:
kamen, namentlich aus dem Sudetenland, neue Menschen ins KufSteiner Gebiet; sie brachten für Kufstein bis dahin unerhörte Ideen mit und waren von Tatkraft und Arbeitswillen erfüllt.
So sind in und lim die kleine Stadt in wenigen Jahren nach den neuzeitlichsten Verfahren arbeitende und über vorzügliche maschinelle Ausrüstung verfügende Kleinbetriebe entstanden, durch die Kufstein zu einem kleinindustriellen Zentrum wurde. Da gibt es chemische Werke, die wie die Alpine Chemische Industrie Arzneimittel, und wie die Elchemie G. m. b. H. Grundstoffe der Waschmittelindustrie erzeugen. Aus dem Werk der Frosta-Kühlung stammen elektro- automatische Kühlschränke und Kühlanlagen. Das Alpenländische Metallwerk Bühl ist spezialisiert auf Buntmetalle und Armaturen, Uxa, Vogelsinger & Co. auf Temper-, Kleineisen- und Metallguß, Pirlo & Co. erzeugt Blechemballagen, Konservendosen und andere Blechmassenartikel, die Simmerwerke ölbeständige Dichtungsringe für die Kraftfahrzeug- und für die Maschinenindnstrie, Fritz Striede im Reihenbau Prothesen, die die Kufsteiner Knnstgliedererzeugung, die insbesondere auch der Natur nachgebildete Kniegelenke fertigt, in aller Welt berühmt gemacht haben. Seit 1946 in Kufstein (früher im Böhmerwald) aber besteht die Tiroler Glashütte Johann Rotz Enkel, die Edelglaswaren nach alten und neuen Mustern erzeugt.
Von diesem Anstieg zu industrieller Tätigkeit und Prosperität in und um Kufstein konnten sich alle Teilnehmer an der Feier überzeugen, die 1950 zur hundertsten Wiederkehr des Todestages Josef Maderspergers — er starb völlig verarmt am 2. Oktober 1850 in Wien im St. Marxer Altersheim, den man nun aber mit vollem Recht als den größten Sohn dieser Stadt feierte —, ins Unterinntal gekommen waren. Aus diesem Anlaß wurde in Kufstein eine Nähmaschinenschau, ausgehend von dem im Wiener Technischen Museum verwahrten Prototyp Maderspergers, der sogar nähend vorgeführt werden konnte, veranstaltet. „Was hätte es für Österreichs Volkswirtschaft bedeutet“, schrieb der Landeshauptmann von Tirol Dr. Alfons Weissgatterer anläßlich dieser Feier, „wenn man es verstanden hätte, die Erfindung Maderspergers im eigenen Land zu nützen? Im Gedenken an ihn wollen wird das Unsere tun, um eine Wiederholung seines Schicksals unwahrscheinlich zu machen!“ Madersperger gehört trotz allem Mißgeschick, das ihn traf, zu den geistigen Ahnherrn einer gewaltigen Industrie; daß er ein Sohn des Unterinntales war, ist ein Beweis für die wertvollen Eigenschaften der dort lebenden Menschen.
Schrifttum.
„Schwazer Bergbuch“ 1556 (1561), bebilderte Handschrift (Exemplare in Leoben, Wien, Innsbruck, München).
Georg Rösch von Geroldshausen, „Der Fürstlichen Grafschaft Tyrol Landtreim“, Innsbruck 1558.
Georg Reutter von Gaysspitz (Georg Rösch von Geroldshausen), „Ain Wunschspruch . . .“, Innsbruck 1560.
Conrad Fischnaler, „Tyroler Landreim und Wunschspruch . . .“, Innsbruck 1898.
Konrad Fischnaler, „Innsbrucker Chronik“, Innsbruck 1929.
Vinzenz Oberhammer, „Die Bronzestandbilder des Maximilian-Grabmales in der Hofkirche zu Innsbruck“, Innsbruck 1935.