Erich Kurzel-Ruxtscheiner: Technikgeschichtliche Bücherschau.
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sozialrechtliche Entwicklung, sowie endlich Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspolitik in Österreich zwischen den Jahren 1848 und 1948 behandelt. Daß bei der pragmatischen Darstellung der Abläufe in all diesen Sparten auch des technischen Geschehens immer wieder gedacht wird, ist selbstverständlich.
Einzelfälle auf diesem weitausgesteckten Felde der Geschichtsbetrachtung behandeln die Firmenjubiläumsschriften; auch diesmal liegt eine größere Anzahl von ihnen vor.
Als erste ihrer Art sei die kleine, aber mit kundiger Feder niedergeschriebene Jubiläumsschrift „Hundert Jahre eines Wiener Geschäftshauses, die Firma Rudolf Kolroser von 1850—1950“ 2 erwähnt. Sie führt in einer modeindustriellen, von reizvollen Abbildungen aus der Zeit begleiteten Schilderung von den Tagen, in denen Wiens Innenstadt noch umwallt und durch Festungstore von der Umwelt abgeschlossen war, bis zur Lichtarchitektur des Verkaufslokals von heute, das seit 1850 die gegen den Ring gekehrte Ecke' des Schottenhofes einnimmt.
Geschmackvoll in der farbigen künstlerischen Ausstattung ist die Schrift „100 Jahre Guntramsdorfer Druckfabrik A. G. 1849—1949“ 3 . Bedauerlicherweise gibt der gebotene geschichtliche Abriß kaum einen Hinweis auf die oftmals pionierhafte textiltechnische Entwicklung dieses vornehmen, auf Vitus Meyer (1786—1866) „k. k. priv. Großhändler und Gründer der Zitz- und Kattunfabrik zu Guntramsdorf“ zurückgehenden Unternehmens, das insbesondere für die Entwicklung der Appretur und der Farbenaufbringung wiederholt Vorbildliches leistete.
An der Spitze des Textes einer Firmenschrift „1867—1951, Steyrermühl Papier- fabriks- und Verlags-Aktiengesellschaft“ 4 , die aus Anlaß der Aufstellung und Inbetriebsetzung der Papiermaschine „Gigant“ — PM 1 herausgegeben wurde, steht folgender Spruch eines alten Holländermüllers:
Nun mahle sorgsam der Fasern Heer,
Die einen wenig, die anderen mehr,
Bald rösch, bald schmierig, bald grob, bald fein, Bald kurz, bald lang muß Faserstoff sein.
Misch gründlich die Stoffe, Leim, Farbe und Erde, Daß gut Papier aus Faserbrei werde.
Die neue Papiermaschine, der diese Schrift gewidmet ist, steht in einer 100 m langen und 10 m hohen neuerbauten Werkshalle. Die beschnittene Arbeitsbreite der Maschine beträgt 3750 mm. Die PM 1 kann sowohl holzhaltige als auch holzfreie Papiere in Gewichten zwischen 40 g und 220 g je Quadratmeter erzeugen. Das gigantenhafte Aussehen dieser unter einem den zur Papierbahn werdenden Brei
2 „Hundert Jahre eines Wiener Geschäftshauses. Die Firma Rudolf Kolroser von 1850—1950“, Wien 1950, im Selbstverlag.
3 „100 Jahre Guntramsdorfer Druckfabrik A. G. 1849—1949“, Wien ohne Jahr, im Selbstverlag.
4 „1867—1951, Steyrermühl Papierfabriks- und Verlags-Aktiengesellschaft“, Wien ohne Jahr, im Selbstverlag.