30
Franz Kirnbauer
Am 30. November 1707 wurde Johann Friedrich Böttger zum „Inventor“, d. i. technischen Leiter einer neugegründeten technischen Untersuchungsanstalt für Mineralogie und Keramik in Meißen bestellt. Bis dahin war er in Dresden, Meißen, Königstein und dann wieder in Dresden eingesperrt und gefangen gehalten worden. Im Jahre 1709 gelang Böttger, wie bereits erwähnt, anstatt der Erfindung des Goldes, erstmalig die Herstellung des Ilartporzellans, also des „Porzellans“, wie man heute kurz sagt. Im gleichen Jahr erfand er auch die Glasur. Zu Beginn des Jahre 1710 begutachtete eine Kommission der bedeutendsten Männer Dresdens die Erfindungen Böttgers, worauf am 23. Jänner des gleichen Jahres noch die Porzellanmanufaktur in Meißen gegründet wurde. Denn August der Starke, ein Fürst, der in seiner Liebhaberei für chinesisches Porzellan alle anderen Fürsten seiner Zeit weit übertraf, hatte die Bedeutung der Erfindung Böttgers sofort klar erkannt. Zudem war er handelspolitisch durchaus merkantilistisch eingestellt und bestrebt, die heimische Industrie zu fördern und gegen fremde Konkurrenz zu schützen. Im Frühling 1714, nach dreizehn Jahren, gab der Kurfürst Böttger ob seiner Erfolge die Freiheit wieder. Doch durch die lange Haft geschwächt, ergab sich der Mann, dem Europa nachmalig die Kultur des Porzellans verdankt, dem Trunk und starb lungenkrank bereits am 13. März 1719.
Kaolingrube Aue i. Sa.
Das erste Kaolinvorkommen, das für die Porzellanherstellung in Europa ausgebeutet wurde, ist dasjenige von Aue in Sachsen. Es lieferte Böttger die nötige „Porzellan-Erde“, damals auch nach dem Entdecker des Lagers „ScHNORiische Erde“ genannt. Über die Geschichte dieses ersten europäischen Kaolinbergwerkes, dessen Förderung zur Porzellanerzeugung verwendet wurde, ist folgendes bekannt:
Der Schneeberger Handelsherr Hans Veit Schnorr begann im Jahre 1700 in der St. Andreas Fundgrube einen Roteisensteingang abzubauen, wobei er auf eine weiße Erde stieß. Er verwendete sie als Zuschlag bei der Kobaltglaserzeugung auf dem ebenfalls ihm gehörigen Blaufarbenwerk Niederpfannenstiel im sächsischen Erzgebirge. Im Jahre 1709 schickte er eine Probe dieser weißen Erde an Böttger nach Meißen. Dieser erkannte die Brauchbarkeit des Kaolins. Schnorr erhielt das ausschließliche Privileg, diese weiße Erde abzubauen, doch wurde dasselbe 1730 insofern beschränkt, als ihm jede weitere Lieferung an das Blaufarbenwerk verboten wurde, er vielmehr nur an die Königliche Porzellan- Manufaktur nach Meißen liefern durfte.
Das Grubenfeld bei Aue war 60x100 m groß. Dem Zuge der Zeit folgend, wurde die Gewinnung der „weißen Erde“ mit viel Geheimnis umgeben. Angestellte und Arbeiter der Grube wurden eidlich zur Geheimhaltung verpflichtet, ja, sie durften nicht einmal außer Landes ziehen, um die Kenntnis dieses wichtigen Rohstoffes der endlich geglückten Porzellanbereitung nicht zu verbreiten. Es setzte aber bald ein allgemeines Suchen nach Kaolin im weiteren Erzgebirge und im übrigen Sachsen ein, ohne daß jedoch eine irgendwie bedeutendere Lagerstätte zunächst gefunden wurde.