Aufsatz 
Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur und ihre Beziehung zur Entwicklung der technischen Verwendung des Kaolins / von Franz Kirnbauer
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Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur

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Das Lager (1er GrubeGottes Geschick Fundgrube bei Sosa, in der Nähe von Schwarzenberg, wurde im Jahre 1725 entdeckt und 1726 in Abbau genommen. 1733 kaufte die Meißener Manufaktur das Vorkommen. Ein Abbau fand jedoch kaum statt. Der Kaolin ist hier an einen Eisenerz führenden Quarzgang ge­bunden und bildet ein Nest im Granit. Aus dem Jahr 1731 wird ein Vorkommen Weiße Maus Fundgrube erwähnt, dessen Abbau aber verboten wurde. Im Jahre 1832 fand man an der kleinen Bockau bei Sosa am Fuß des Auersberges ein gang­artiges Kaolinvorkommen, das den NamenWeißes Glück Fundgrube erhielt.. Dieser Kaolin ergab in Meißen ein sehr durchscheinendes Porzellan. Der Abbau bei Sosa und Aue wurde jedoch im Jahr 1838 bzw. 1855 wegen Erschöpfung ein­gestellt. Gegenwärtig besitzt die Sächs. Porzellanmanufaktur wertvolle Kaolin­vorkommen bei Kemmlitz und Seilitz, unweit Mügeln.

Porzellanmanufakturen

Nach den bedeutenden Erfolgen in Sachsen nahm das übrige Europa die Por­zellanherstellung mehr oder weniger bald auf. Die Gründungsjahre der ersten Porzelianmanufakturen in den einzelnen Ländern sind die folgenden:

1710 Meißen, 1718 Wien, 1720 Venedig, 1744 St. Petersburg, 1746 Höchst, 1747 Nymphenburg, 1751 Berlin, 1756 Sevres, 1759 Madrid.

Die Wiener Porzellanmanufaktur bezog, wie erwähnt, ihren Kaolin bis zum Jahre 1809 aus der Gegend von Passau. Nach dem Verlust Passaus wurde der Mineraloge Friedrich Mohs, seit 1802 Bergrat in Wien und 1811 Professor in Graz, beauftragt, neue geeignete Kaolinvorkommen in Österreich zu suchen. Nach Mißerfolgen in Niederösterreich und Mähren fand Moiis im Bezirk Elbogen und Saaz 21 Fundorte guten böhmischen Kaolins.

Die ersten Versuche zur Porzellanherstellung in Nordwestböhmen wurden von einem Fuhrmann namens Franz Harerditzl in Rabensgrün bei Schlaggen­wald unternommen. Harerditzl fand in Gabhorn bei Petschau und später in Donawitz bei Karlsbad größere Kaolinlager und gründete 1791 in seinem Heimat­dorf die erste Porzellanfabrik in Form einer Aktiengesellschaft. Er erzielte aber nur Steingut. Im Jahre 1792 errichtete im nahen Schlaggenwald der Bergmeister Georg Paulus mit Hilfe eines gelernten Porzellanmachers aus Thüringen eine zweite, diesmal lebensfähige Porzellanfabrik. Wieder wurde unfreiwillig zuerst Steingut, später daneben aber auch schon echtes Porzellan hergestellt. Im Jahr 1793 wurde die dritte österreichische Porzellanfabrik in Nordwestböhmen, im Ort Klösterle, Bezirk Kaaden, errichtet. Hier verwendete inan bereits Zettlitzer Kaolin. Nikolaus Weber war der Leiter des Unternehmens in Klösterle. ln diese Zeit fällt somit der Beginn des Zettlitzer Kaolinbergbaus. Fm das Jahr 1824 wurden die ersten zweckmäßigen Kaolinschlämmereien erfunden, desgleichen Poch- und Mahlwerke für Feldspat und Quarz eingerichtet. So entwickelte sich der nordwestböhmische, damals österreichische, jetzt tschechoslowakische Kaolin­bergbau von kleinen Anfängen heraus bis zu seiner gegenwärtigen Bedeutung.