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Oskar Regele
komitee“ vereinigt wurden. Damit begann die Geschichte der modernen technischen Zentrale der österr.-ungar. Armee, die 1889 zum „k. u. k.“ und 1895 zum „k. u. k. Technischen Militär-Komitee“ wurde, im Wesen aber bis 1918 ihre ursprüngliche Organisation von 1869 beibehielt. Das Komitee feierte noch im österreichischen Bundesheere als „Kriegstechnisches Amt“ eine Wiederauferstehung, um dann 1938 endgültig zu verschwinden. Alle Militärstaaten besaßen oder besitzen ähnliche wissenschaftliche Institute, die als Forschungsanstalt, Studienausschuß, Beirat oder ähnlich anders bezeichnet werden.
Das Technische Militärkomitee war nur für die Landmacht, die damals auch die Flugwaffe in sich einschloß, bestimmt, die Kriegsmarine hatte ihr eigenes,
Bild 1. Das k. u. k. Technische Militär-Komitee 1869- 1918 Wien VI, Getreidemarkt Nr. 9
Heute Technische Hochschule Wien, Institute für Chemie und Maschinenbau
1885 gegründetes „Marinetechnisches Komitee“ in Pola, das unter einem „Präses“ acht Abteilungen und eine Versuchs-Flugstation umfaßte. Neben dem Artillerie-, Torpedo- und Seeminenwesen befaßte es sich mit Schiffbau, Maschinenbau, Technologie, Elektrotechnik, Hydrographie und Navigation.
Als Arbeitsstätte diente dem Komitee das Gebäude Nr. 9 am Getreidemarkt im VI. Wiener Gemeindebezirk, das in den Jahren 1862—1864 auf den Gründen des ehemaligen Jesuitenhofes, in dem sich früher der Fortifikationsbauhof befunden hatte, nach den Plänen der Geniedirektion errichtet wurde. 4 Zunächst zogen die Genieämter ein, bis es dann 1869 dem Militärkomitee zugewiesen wurde. Die einsetzende sehr beträchtliche Vermehrung der Agenden erforderte im Laufe der Jahre bauliche Vergrößerungen, doch konnte mit der traditionellen ärarischen Sparsamkeit und Organisationsökonomie auch für eine Großmachtarmee bis 1918
4 Anton Schindler: „Militärgebäude“, in: M. Pauls „Technischer Führer durch Wien“, Wien 1910.