Aufsatz 
Zur Geschichte des k.u.k. Technischen Militär-Komitees 1869-1918 / von Oskar Regele
Entstehung
Seite
46
Einzelbild herunterladen

46

Oskar Regele

schließlichen Erfindertätigkeit in Verbindung gebracht. Es gehörte nun ohne Zweifel bei jedem Mitarbeiter erfinderischer Geist zur Erfüllung seiner Pflichten und es können zahlreiche Angehörige des Komitees auf eigene Erfindun­gen hinweisen, wovon noch die Rede sein wird. In diesem Zusammenhänge lohnt es sich übrigens, vom militärischen Erfindertum einmal etwas Grundsätzliches zu sagen.

Vor allem ist es kulturhistorisch höchst interessant, daß viele Basis-Erfindun­gen der Kriegstechnik und solche, die der Kriegführung wesentlich zugute kamen, nicht vom Militär ausgegangen sind, in Österreich nicht und in der übrigen Welt auch nicht. Wenn wir solche Erfindungen auf zählen und die Erfindernamen oder doch zumindest solche Techniker nennen, die einen entscheidenden Fortschritt auf dem betreffenden Gebiete herbeigeführt haben, wird die aufgestellte Behaup­tung ihre weitgehende Bestätigung finden: Repetiergewehre (Mannlicher, Mauser), automatische Waffen (Maxim), Rohrrücklauf (Ehrhardt), Eisenbahn­brücken (Eifel, Kohn, Roth), Sprengstoffe (Schönbein, Nobel), Elektrizität (Galvani, Volta), Funkwesen (Hertz, Marconi), Ballistik (Cranz), Geschütz­industrie (Krupp, Schneider, Skoda), Panzer (Gruson), Raupenzug (Tom German), Luftballon (Montgolfier), Flugzeug (Wright, Etrich, Junkers), Telegraph-Telephon (Reis, Morse, Bell), Lokomotive (Trevithik, Stephenson), Motor (Daimler), Fahrrad (Drais), Kraftwagen (Marcus, Ford, Porsche), Radar (Appleton), rauchloses Pulver (Reid, Johnson), Unterseeboot (Fulton). Auch die Atomwaffen verdanken ihre Entstehung Nichtmilitärs von Ruther­ford bis Einstein, der 1939 ihre Erzeugung von Roosevelt gebieterisch for­derte, mag auch angeblich der k. u. k. Artilleriehauptmann Karl Gröber be­reits im Jahre 1886 die Möglichkeit der Atomspaltung vertreten haben. 7

Die Stärke der militärischen Erfinder lag mehr in der Kleinarbeit, in der Ver­besserung, in der zweckmäßigen Dienstbarmachung technischer Neuerungen für die speziellen militärischen Erfordernisse, in der Fortentwicklung von Ideen, die in ihrer Urform nicht verwendbar waren. Die Aufgabe des Technischen Militärkomitees war es nicht, zu erfinden, sondern die Erfindungen zu studieren und dann zu verwerten, wobei es anderseits oft genug vorkam, daß militärische Bedürfnisse zivile Techniker anregten und zu Erfindungen veranlaßten, die sie sonst vielleicht gar nicht gemacht hätten.

Eine andere Erfinderkategorie ist das Heer jener Erfinder, die mit ihren Pro­jekten die militärischen Studienämter überrennen und sich dann schwer gekränkt zurückziehen, wenn ihre Erfindung nicht unverzüglich zu hohem Preis angekauft wird. Der Präsident des Komitees, Feldzeugmeister v. Salis-Soglio, bringt in seiner Autobiographie 8 recht heitere Details zu diesem Kapitel. Natürlich mag es auch Fälle gegeben haben, in denen Erfinder, wie es sich nachträglich heraus­stellte, zu Unrecht abgewiesen worden sind, das gehört dann in den Bereich menschlicher Unzulänglichkeiten, die vor keiner auch noch so erlesenen Arbeits­gemeinschaft Halt machen. In Österreich-Ungarn war in dieser Frage noch ein

7 Mitteilung des Majors a. D. Ing. Leopold Dolleneck vom 12. April 1950 und Wiener Zeitung Nr. 60/1950.

8Mein Leben, 2. Bd, S. 86 f. Stuttgart-Leipzig 1908.