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Oskar Regele
schließlichen Erfindertätigkeit in Verbindung gebracht. Es gehörte nun ohne Zweifel bei jedem Mitarbeiter erfinderischer Geist zur Erfüllung seiner Pflichten und es können zahlreiche Angehörige des Komitees auf eigene Erfindungen hinweisen, wovon noch die Rede sein wird. In diesem Zusammenhänge lohnt es sich übrigens, vom militärischen Erfindertum einmal etwas Grundsätzliches zu sagen.
Vor allem ist es kulturhistorisch höchst interessant, daß viele Basis-Erfindungen der Kriegstechnik und solche, die der Kriegführung wesentlich zugute kamen, nicht vom Militär ausgegangen sind, in Österreich nicht und in der übrigen Welt auch nicht. Wenn wir solche Erfindungen auf zählen und die Erfindernamen oder doch zumindest solche Techniker nennen, die einen entscheidenden Fortschritt auf dem betreffenden Gebiete herbeigeführt haben, wird die aufgestellte Behauptung ihre weitgehende Bestätigung finden: Repetiergewehre (Mannlicher, Mauser), automatische Waffen (Maxim), Rohrrücklauf (Ehrhardt), Eisenbahnbrücken (Eifel, Kohn, Roth), Sprengstoffe (Schönbein, Nobel), Elektrizität (Galvani, Volta), Funkwesen (Hertz, Marconi), Ballistik (Cranz), Geschützindustrie (Krupp, Schneider, Skoda), Panzer (Gruson), Raupenzug (Tom German), Luftballon (Montgolfier), Flugzeug (Wright, Etrich, Junkers), Telegraph-Telephon (Reis, Morse, Bell), Lokomotive (Trevithik, Stephenson), Motor (Daimler), Fahrrad (Drais), Kraftwagen (Marcus, Ford, Porsche), Radar (Appleton), rauchloses Pulver (Reid, Johnson), Unterseeboot (Fulton). Auch die Atomwaffen verdanken ihre Entstehung Nichtmilitärs — von Rutherford bis Einstein, der 1939 ihre Erzeugung von Roosevelt gebieterisch forderte —, mag auch angeblich der k. u. k. Artilleriehauptmann Karl Gröber bereits im Jahre 1886 die Möglichkeit der Atomspaltung vertreten haben. 7
Die Stärke der militärischen Erfinder lag mehr in der Kleinarbeit, in der Verbesserung, in der zweckmäßigen Dienstbarmachung technischer Neuerungen für die speziellen militärischen Erfordernisse, in der Fortentwicklung von Ideen, die in ihrer Urform nicht verwendbar waren. Die Aufgabe des Technischen Militärkomitees war es nicht, zu erfinden, sondern die Erfindungen zu studieren und dann zu verwerten, wobei es anderseits oft genug vorkam, daß militärische Bedürfnisse zivile Techniker anregten und zu Erfindungen veranlaßten, die sie sonst vielleicht gar nicht gemacht hätten.
Eine andere Erfinderkategorie ist das Heer jener Erfinder, die mit ihren Projekten die militärischen Studienämter überrennen und sich dann schwer gekränkt zurückziehen, wenn ihre Erfindung nicht unverzüglich zu hohem Preis angekauft wird. Der Präsident des Komitees, Feldzeugmeister v. Salis-Soglio, bringt in seiner Autobiographie 8 recht heitere Details zu diesem Kapitel. Natürlich mag es auch Fälle gegeben haben, in denen Erfinder, wie es sich nachträglich herausstellte, zu Unrecht abgewiesen worden sind, das gehört dann in den Bereich menschlicher Unzulänglichkeiten, die vor keiner auch noch so erlesenen Arbeitsgemeinschaft Halt machen. In Österreich-Ungarn war in dieser Frage noch ein
7 Mitteilung des Majors a. D. Ing. Leopold Dolleneck vom 12. April 1950 und Wiener Zeitung“ Nr. 60/1950.
8 „Mein Leben“, 2. Bd, S. 86 f. Stuttgart-Leipzig 1908.