Zur Geschichte des k. u. k. Technischen Militär-Komitees 1869—1918
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anderes Moment mitentscheidend, und zwar der Geldmangel. Bekanntlich wurde für die Landesverteidigung der Habsburger-Monarchie im Verhältnis weniger aufgewendet als z. B. im kleinen Königreich Serbien und weniger, als fast in allen anderen Militärstaaten. Die Erprobung von neuen Erfindungen kostet jedesmal ungeheure Summen, und w t o es am Gelde mangelt, da müssen die vorhandenen Mittel für das jeweils Unentbehrlichste auf gewendet werden — und vor diese Lage sah sich auch das Technische Militärkomitee Zeit seines Bestandes gestellt.
Die Rolle des Kriegsministeriums gegenüber dem Komitee bestand in der Auftragerteilung, in der Finanzierung von Neueinführungen und in der Regelung der organisatorischen und personellen Fragen. Verantwortlich dafür, ob technische Neuerungen rechtzeitig und vollwertig der Armee zugeführt wurden, waren drei Faktoren: das Militärkomitee für die technisch-wissenschaftliche und -praktische Arbeit, das Ministerium für die entsprechende Zuweisung von Geldmitteln und letzten Endes die Volksvertretungen für die ausreichende Budgetierung der Landesverteidigung. Nur von diesem Gesichtspunkte sind die nach einem verlorenen Krieg erhobenen und gewiß nicht unberechtigten Vorwürfe wegen unzureichender Rüstung und dadurch entstandener überflüssiger Verluste und militärischer Mißerfolge zu überprüfen.
Was nun die Schöpfungen des Technischen Militärkomitees betrifft, erscheint es mehr als schwierig, personelle Einzelanteile festzustellen. Der Charakter militärtechnischer Arbeit bringt es mit sich, daß zumeist eine Gemeinschaftsarbeit vorliegt und daher viele hochverdiente Mitarbeiter anonym bleiben. Die große Bewährungsprobe für das Komitee stellte der erste Weltkrieg dar und es kann — überblickt man auch bloß einige der technischen Hauptgebiete — nicht geleugnet werden, daß diese Probe bestanden wurde. Das Artilleriematerial der k. u. k. Armee war in aller Welt als erstrangig anerkannt, fast, noch mehr das kunstvolle Schießverfahren, das den quantitativen Mangel an Waffen und Munition oft und oft auszugleichen vermochte. Aus den Reihen des Komitees erfand General Alfred Kropatschek ein modernes Repetiergewehr, General Georg v. Dormus eine Mitrailleuse, Hauptmann v. Kararetz ein automatisches Zielgerät für die Luftabwehr und Oberst Kazimir Erle einen neuartigen Distanzmesser, während Hauptmann Anton Kürzen (mit Kühn) die grundlegende „Waffenlehre“ schrieb. Als Spitzenleistung leben noch in der allgemeinen Erinnerung der 30,5 cm-Motormörser und die 42 cm-Küstenhaubitze. Für letztere hat 1909 Hauptmann Adolf Schweeger die Konstruktionsanträge ausgearbeitet, nach denen das schwere Geschütz ein wahres Kunstwerk wurde. Es hatte nicht nur einen Ertrag von 14.600 m mit damals ungeheurer Geschoßwirkung, es wurde durch ein geistvolles Richtverfahren aktiviert und hatte durch den Generatorzug eine Marschfähigkeit bis in Hochgebirgsstellungen.
Die Befestigungen der österreichisch-ungarischen Monarchie dürfen für sich den Ruhmestitel beanspruchen, daß keine einzige dem Feind durch Kampf in die Hände fiel. Die ausgehungerte Festung Przemysl stellt neben Port Arthur die letzte große erfolgreiche Festungsverteidigung der Geschichte dar, die seither nicht mehr erreicht werden konnte. Die Namen Salis-Soglio, R. v. Brunner und Geldern-Egmond sind mit dem Ausbau dieser Festung verbunden. General-