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Oskar Regele
Genie- und Armeeinspektor Ernst Freiherr v. Leithner, Verfasser mehrerer fortifikatorischer Werke, ist der Erneuerer der Festung Krakau gewesen, die dann der Feldzeugmeister Kuk mit Erfolg verteidigte. Hauptmann im Geniestabe Viktor Tilschkert kann als der Hauptbegründer der Panzerfortifikation gelten, er war aber auch um die Verwertung der Feld- und Seilbahnen für den Nachschub und um die Einführung der Fleischkonserven verdient Der Theresien- ritter General Ellison v. Nidlef — 1918 Chef des Luftfahrwesens — schuf mit seiner Turmhaubitze für Gebirgsforts eine der besten Panzerkonstruktionen.
Soll noch ein drittes Gebiet militärtechnischer Bewährung hervorgehoben werden, dann sind es die gewaltigen Strom Übergänge, die von den k. u. k. Pionieren 1914/1918 durchgeführt worden sind, und die unbestritten zu den vollendetsten gerechnet werden, die bis dahin vorkamen. Auch hier trifft das Verdienst vorzüglich das Komitee, denn das Gelingen war abhängig von der Hocii- wertigkeit des Brückengerätes, der Motorboote, der Truppenausrüstung und der technischen Ausbildung.
Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß sich die Tätigkeit des Komitees in den genannten ausschließlich militärischen Bereichen erschöpft hätte, über die Kampfgebiete hinaus vermögen das Komitee und seine Angehörigen auf Lösungen technologischer, verkehrstechnischer und industrieller Aufgaben hinzuweisen, die dem allgemeinen technischen Fortschritt zugute kamen. Einen Einblick in dieses Schaffen gewährt am besten die Anführung einiger Techniker aus dem Komitee, ohne daß aber damit gesagt sein soll, daß andere, nichtgenannte, nicht ebenso verdient gewesen wären. Das Soldatenglück machte sich hier sehr geltend; hatte ein Offizier z. B. ausschließlich an den Richtverfahren zu arbeiten, dann blieb er bloß einem kleinen vertrauten Kreise bekannt, hatte ein anderer z. B. technologisch zu arbeiten, konnte er damit rechnen, daß er in der weiten auch zivilen Fachwelt anerkannt werde. Das Lebenswerk des einzelnen erstreckt sich ferner auf die ganze Lebenszeit, so daß es vorkommt, daß Offiziere, die im Komitee dienten, in ihrem Spezialfach auch noch in anderer Dienstverwendung und auch außerberuflich tätig blieben, also mit Leistungen hervortraten, als sie dem Komitee nicht mehr angehörten. Ihr Gesamtwerk bleibt jedoch mit dem Komitee verbunden.
Auf dem Gebiete der Sprengmitteltechnik waren zunächst von praktischer Bedeutung die Arbeiten des Geniehauptmanns Adolf Kutzlnigg über den Minenkrieg. T)er Geniehauptmann I. F. Trautzl befaßte sich mit dem Schieß- woll-Dynamit, führte Bleiblock-Proben für Sprengstoff-Kraftmessungen ein und bearbeitete die Messungen von Explosionsgeschwindigkeiten. Aus seiner Feder stammen u. a.: „Explosive Nitrilverbindungen“ (1869), „Die Dynamite“ (1876) und „Sprengtechnische Fragen“ (1885). Er wurde Generaldirektor der Dynamit- Nobel-A. G. Philipp Hess, Hauptmann im Geniestabe, dann Sektionschef im Komitee und Artillerie-Generalingenieur, nahm hervorragenden Anteil an der Entwicklung des Dynamits, und ist der Schöpfer der Spreng- und Zündmittel, die in der k. u. k. Armee normiert waren. Ihm gelangen Flammenbilder der Kom- pressions-Glüherscheinungen. Von seinen Arbeiten wären zu nennen: „über Sicherheitssprengstoffe und die Methoden ihrer Erprobung“ (1898) und „Die Naturwissenschaften im Dienste des Krieges“.