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Oskar Regele
Komitees entworfene Captif-Schraube läßt sich nicht ohneweiters unter die Hubschrauber einreihen, denn sie war keine freifliegende Konstruktion, wie es die eigentlichen Hubschrauber mit direkt angetriebenen Schrauben oder die Autogyros mit Zugschraube und durch den Flugwind in Umlauf gesetzten Schrauben (Windmühlenflugzeuge) sind. Kress nannte ja selbst seine Konstruktion „Captif- Schraube“, weil sie ähnlich dem Captif-Ballon (Fessel-Ballon) mit der Erde ständig verbunden war, u. zw. durch ein Motorkabel. In einer Begutachtung durch das Technische Militär-Komitee findet sich die Feststellung: 4 „Es kann nur ge-
Bild 1. Captif-Schraube von Wilhelm Kress Archiv Technisches Museum in Wien
sagt werden, daß infolge des Umstandes, als bei der Captif-Schraube die eigentliche Kraftquelle von dem Flugapparate nicht mit in die Höhe zu nehmen und zu tragen ist (sondern nur das, den elektrischen Strom zuführende Kabel), die Verhältnisse für die Realisierung dieses Projektes erheblich günstiger liegen, wie für jeden anderen freifliegenden Flugapparat.“
In dem schon erwähnten Schreiben an das Ministerium vom 30. September 1896, in welchem sich Kress als „Techniker“ unterschreibt, wird ausgeführt, daß auf Anraten des Ministeriums vom 20. April 1892 statt eines zeichnerischen Projektes ein Modell hergestellt wurde und hiezu wörtlich bemerkt:
„... Es ist ja allbekannt, wie schwer es für alle Erfinder, insbesondere aber für solche auf aeronautischem Gebiete ist, Unterstützung zu finden..., wurde mir in der Folge durch bescheidene pekunäre Unterstützung des genannten Hof rates Prof. Boltzmann und eigene Opfer schließlich möglich, eine Captif-Schraube in natura ausführen zu können; der beschränkten Geldmittel wegen allerdings nur in V 2 der wirklichen Größe... Dieser Flugapparat wurde im April d. J. (1896)
4 Sect. IV., Nr. 3/12 vom 27. Dezember 1897.