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Oskar Regele
noch kein Urteil zulasse und daß Detailpläne vorzulegen wären. Das Ministerium ließ am 20. April 1892 wissen, 7 daß es die Vorteile des Projektes nicht verkenne, daß man aber konkreten Versuchen erst nähertreten könne, wenn aus den Plänen die Wahrscheinlichkeit der Brauchbarkeit hervorgehe. Mit 8. Februar 1895 meldet der Präsident des Komitees, Feldmarschalleutnant Vogl, an das Ministerium: „Der einzige derzeit bekannte Konkurrent des Drachenballons, welcher denselben eventuell erfolgreich überflügeln könnte, ist die Captif-Schraube, welche im abgelaufenen Jahre auch in ein neues Stadium getreten ist. Der Erfinder derselben, Herr Wilhelm Kress, hat nämlich einen Geldgeber gefunden... kann dem Gelingen der Erfindung immerhin mit einiger Berechtigung entgegengesehen werden.“ Das Komitee berechnet den Kohlenbedarf für einen Captif-Schrauben-Auf- stieg mit 60 kg gegen 10.000 kg beim Ballon und die Kosten des Trains einer Schraube mit 25.000 fl. gegen 100.000 fl. beim Ballon. Von der Captif-Schraube wird gefordert, sie müsse bei Maschinendefekt zum Schutze des Beobachters als Fallschirm wirken, was Kress in seinem Gesuche vom 30. September 1896 dann zusagte. Ein Gutachten des Komitees vom 26. November 1896 8 enthält sehr eingehende Beurteilungen, über die im Komitee im Sommer 1896 durchgeführten praktischen Versuche heißt es, das 30 kg schwere Modell der Schraube brauche 1 HP zum Erheben. Mit dem vorhandenen Elektromotor der Firma Trouve- Paris, der statt der bestellten 1 HP bloß 0,57, für kurze Augenblicke maximal 0,8 HP besitze, sei ein Auftrieb von 16 kg erzielt worden. „Man kann daraus folgern, daß das Modell tatsächlich frei in die Luft aufsteigen würde, wenn eine ganze Pferdekraft den Flügeln zugeführt werde.“ Kress verlange — wird weiter ausgeführt — einen 15 HP-Motor, nicht schwerer als 150 kg. „Sollte die Herstellung eines Elektromotors von so minimalem Gewicht möglich sein, so ist unstreitig ziemliche Wahrscheinlichkeit dafür vorhanden, daß die Erzeugung einer Captif-Schraube, welche sich frei in die Luft zu erheben vermag, gelingen könnte.“ Das Komitee erklärt schließlich die von Kress gemachten Überlegungen als vollkommen richtig, beziffert das Risiko eines Versuches nur mit 5000 fl., da der Motor leicht eine andere Verwertung finden könne und kommt zum Schlüsse: „Wenn in Betracht gezogen wird, wie bedeutend größere Beträge von anderen Staaten auf aeronautische Experimente mit viel minderer Aussicht eines günstigen Erfolges verwendet werden... (folgen Hinweise auf die Luftschiff-Versuche!!)...“, müsse das Eingehen auf Versuche entschieden befürwortet werden. Der Kommandant der „Militäraeronautischen Anstalt“, Hauptmann Josef Trieb , 9 nahm ebenfalls eine durchaus positive Stellung ein und erklärte: „Da dem Projekt die Lebensfähigkeit nicht abgesprochen werden kann, hält das Kommando die Sache... für so wichtig, daß sie einer Förderung im Sinne der Bitte des Erfinders würdig ist.“ Ende des Jahres berichtete noch das Komitee dem Ministerium, 10 die Firmen Siemens und Halske, Wien, Ganz & Co., Budapest, und Oerlikon, Zürich, wären
7 Technisches Militär-Komitee, Präs. 7/11—1892.
8 Technisches Militär-Komitee, Sekt. IV., Nr. 1062—1896.
9 Zählte 1890 zu den ersten Militär-Ballonfahrern Österreichs und erbaute als General im Kriege 1914—1918 die Karst-Wasserleitung.
10 Sekt. IV., Nr. 1291 vom 12. Dezember 1896.