Joseph Mauritius Stummer yon Traunfels
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Stummers Direktiven wurde nun der Streckenbau tier Linie nach Oderberg energisch in die Hand genommen, er selbst übernahm die Ausführung des technisch schwierigen Teiles. Berühmt wurde seine Oderbrücke bei Oderberg, für welche technische Großtat er vom preußischen König den roten Adlerorden erhielt. Am 10. Mai 1814, nach Vollendung der Leipnik—Oderberger Strecke „fühlt sich die Direktion der Nordbahn verpflichtet, Stummer für die energische tatkräftige Mitwirkung bei der Herstellung der Leipnik—Oderberger Bahnstrecke ihren wärmsten Dank auszusprechen, da dessen angestrengte Bemühungen ganz besonders zur glücklichen Eröffnung derselben am festgesetzten Tage beitrüg." Weiters richtete Stummer seine Gedanken auf die Ausgestaltung der Olmütz- Prager Linie und so bittet schließlich am 29. September 1848 der Minister für öffentliche Arbeiten das Polytechnische Institut, an welchem Stummer Professor war, ihn für die Untersuchung der Bahnstrecke Olmütz—Prag beiziehen zu dürfen. Damit arbeitet er im Bereiche der Nordbahn als deren technischer Direktor an dem Ausbau der Staatseisenbahn. Allerdings über Prag hinaus hat die technische Leitung der Nordbahn scheinbar nicht mehr eingegriffen, denn Stummer lag es vor allem daran, gerade jene Strecken, welche organisch im Wesen der Nordbahn lagen, in der Hand zu behalten. In diese Arbeitszeit fallen auch zwei brückentechnische Leistungen, welche Stummer im Sinne staatlicher Transporte mustergültig durchführte. Das eine war die plötzliche Zerstörung der Pontonbrücke bei Oderberg, bei welchem Ereignisse sich Stummer zufällig an Ort und Stelle befand und in anerkannt rascher Weise den Wiederaufbau durch führte. In einer ähnlichen Situation während der Kampfhandlungen gegen das aufständische Ungarn war 1849 durch Eisgang auf eine Länge von 120 Klafter die große Donaubrücke zerstört worden und es war Stummers viel gepriesenes Verdienst, in der für damalige Zeiten unerhört kurzen Zeit von 51 Tagen diese Strecke in Doppelgeleise wieder aufgebaut zu haben, während aktenmäßig von der Baubehörde mindestens 90 Tage errechnet worden waren. So waren Material und die großen Truppentransporte, welche die Kriegführung in LTngarn veranlaßten, bei Stummers „spezieller und ausschließlicher persönlicher Verantwortung des Baues und Transportes“ in prächtiger Weise zugunsten des österreichischen Unternehmens durchgeführt worden. Der Regierung war es vor allem darum zu tun gewesen, daß sich durch Stummers energisches Handeln keine große Unterbrechnung des Verkehres ergeben hatte und sogar die schweren 11 Lokomotiven samt Tender baldigst oder, wie es heißt, „binnen einigen Tagen über die Donau gebracht werden konnten“. Im Jahre 1858 hat Stummer beim Brande der großen Inundationsbrücke in Lundenburg rettend eingegriffen, wobei er „in erstaunlich kurzer Frist“ die Strecke wieder fahrbar machte. Durch solche Leistungen und das prompte Eingreifen Stummers in die Probleme der Nordbahn war er ein wichtiger Faktor in dem Existenzkämpfe der Nordbahn geworden. Die Staatseisenbahn, der nun die einst der Nordbahn an- gehörigen Ingenieure Francesconi und Negrelli zur Verfügung standen, war bei dem Ausbau ihrer nördlichen Strecken, wie wir sahen, allmählich zu dem Resultat gekommen, auf dem Wege der Nordbahn die Trasse durchführen zu lassen. Damit war bis zu einem gewissen Grade die Lage gerettet worden. Dies
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