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Die Enthüllungsfeier der Nikola TESLA-Büste
„Wir haben uns heilte hier zusammengefunden, um die Büste eines Mannes zu enthüllen, der einer der genialsten Menschen unserer Zeit war. Die Büste Nikola Teslas, die der berühmte jugoslawische, in Amerika lebende Bildhauer Ivan Mestrovic modelliert hat, die in Zagreb gegossen und von der jugoslawischen Regierung dem Technischen Museum aus Anlaß des im nächsten Jahr stattfindenden Internationalen Nikola TESLA-Kongresses gewidmet wurde, die Büste eines Mannes, der zwar kein NoBEL-Preisträger war, obwohl er es mehrfach verdient hätte, auf den die Welt aber stolz sein kann. Ein Mann, den drei Staaten für sich reklamieren. Österreich, weil Tesla als Alt-Österreicher in einem damals zu Österreich gehörigen Orte, Siniljan, Provinz Slika, Kroatien, im Jahre 1856 geboren wurde, in der alten österreichisch-ungarischen Monarchie, in Graz und Prag, studierte, in Wien im Jahre 1908 zum Dokter der technischen Wissenschaften ehrenhalber ernannt wurde und in Ungarn wissenschaftlich tätig war: Jugoslawien deshalb, weil der Geburtsort Teslas jetzt zu diesem Staate gehört; und nicht zuletzt das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die diesem Genie die Gelegenheit boten, sich erst richtig zu entfalten, da die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Verwirklichung der Ideen Teslas in keinem anderen Lande so gegeben waren, wie dort. Tesla hat die Treue zu seiner Heimat zeitlebens bewahrt und war auch fern von ihr gerne mit seinen Landsleuten beisammen; er blieb auch in der Neuen Welt ein Kind seines Geburtslandes.
Es ist schwer, mit wenigen Worten diese einzigartige Persönlichkeit zu schildern, bei der das Schaffen von seinem Leben nicht so leicht getrennt werden kann, weil man nur so seine wissenschaftlichen Erfolge wie auch seine finanziellen Mißerfolge verstehen kann. Er war Techniker und zugleich Idealist. Die Technik war ihm ein Mittel, soziale Ziele zu erreichen, der Menschheit zu helfen. Dieser Technik hatte er sich verschworen und seine Liebe zu ihr ging soweit, daß er ihr seine ganze Kraft widmete und sich deshalb vom weiblichen Geschlechte fernhielt, da er der Meinung war, daß er, falls er geheiratet hätte, in seinem Schaffen gehindert worden wäre. So lebte er nur für sich, bescheiden zurückgezogen, bald hier, bald dort, praktisch immer ohne eigene Wohnung. Wohnen und Schlafen waren für ihn nur unangenehme Notwendigkeiten des menschlichen Daseins. Forschen und Entwickeln waren seine Leidenschaften, ihnen opferte er seine Nachtruhe, sein Geld und bisweilen auch seine Gesundheit. Man kann nicht behaupten, daß er eine kräftige Konstitution sein eigen nennen durfte. Als Kind und auch noch in jungen Jahren, war er oft nahe daran, sein Leben frühzeitig zu beenden. Die Krankheiten, die Tesla mitmachte, waren eigener Art. Es scheint fast so, als ob seine Nerven durch seine intensive Gedächtnisarbeit wie Vampyre seinen Körper ausgesaugt hätten, und daß allein seine gute Erbmasse immer wieder den Sieg über alle Erkrankungen davongetragen hat. So wuchs Tesla von vielen Krankheiten geplagt, heran, alle Alterskollegen an Intelligenz weit überflügelnd. Sein sehnlichster Wunsch war, Techniker, und zwar Elektrotechniker zu werden. Die Grazer Technische Hochschule, die er besuchte, vermittelte ihm das Wissen seiner Zeit, bereitete ihm aber auch manche Enttäuschung, da er seiner Epoche weit voraus war und — vorerst nur in seinem Unterbewußtsein — die