Die Enthüllungsfeier der Nikola TESLA-Büste
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spätere durch ihn geschaffene Entwicklung vorausahnte, ohne jedoch schon imstande zu sein, seine genialen Ideen bis in die letzten Konsequenzen zu verwirklichen.
Fast wäre er an seiner genialen Idee selbst irre geworden, als man ihm in einer Vorlesung die Unhaltbarkeit seiner Gedankengänge auseinandersetzte. Zwar schwer getroffen durch die mit allen Mitteln der Rhetorik und Logik geführte Widerlegung seiner Ideen, hielt er indes doch in grenzenlosem Selbstvertrauen an ihnen fest. Tesla ging nach Prag und beendete dort 1880 an der Universität seine Studien. Nun erstrebte er eine Anstellung bei einer bedeutenden Firma* da er der Meinung war, nur in einem ganz großen Unternehmen Verständnis für seine Pläne zu finden. Er ging nach Budapest, aber er mußte dort annehmen, was sich ihm darbot, er war ja noch unbekannt — ein Absolvent der Hochschule — sonst nichts in den Augen der Industrie — ein Anfänger —. Ja, er w T ar ein Anfänger, aber ein Wegbereiter einer neuen Epoche der Elektrotechnik. Was Michael Faraday entdeckte, das baute Tesla aus. Der Wechselstrom hatte es ihm angetan. Schon nach zwei Jahren, im Jahre 1882, gelingt ihm der große Wurf, er entdeckt das Drehfeld. W T ieder einmal erfaßt Tesla ein Taumel der technischen Begeisterung, ekstatische Freude, er weiß, er hat recht. Die Firma aber, bei der er arbeitete, wurde verkauft, und Tesla kam zum alliierten Unternehmen nach Paris. Er setzte große Hoffnungen auf Paris; dort, meinte er, sei der Ort, wo man für seine Ideen empfänglicher sein würde, von wo aus sich die Erfindung in alle Welt ausbreiten könnte. Statt aber an seinem Drehfeld arbeiten zu können, mußte er sich bei der Continental Edison Company dem Gleichstrom widmen. Er reparierte Gleichstrommaschinen und Motoren und wurde sehr bald Entstörer. Er konstruierte automatische Regler, half der Firma in schwierigen Situationen, hatte aber keinen Dank. In Straßburg, wo er für sie tätig war, konstruierte er einen Dynamo für Zweiphasen-Wechselstrom und einen Induktionsmotor. Es war für ihn einer der erhebensten Momente seines Lebens als der Motor, vom Generator gespeist, sich zu drehen begann, und als er die Umlauf - richtung des Drehfeldes änderte, sich in entgegengesetztem Sinne drehte. Tesla war damals erst 27 Jahre alt; er hielt eine Vorführung seiner Erfindung vor dem Straßburger Bürgermeister und den Straßburger Finanzleuten ab, Erfolg gleich Null. — Nach Paris zurückgekehrt, erlebte er neue Enttäuschungen; man prellte ihn um sein gutes Recht. Obwohl Tesla das Geld nur als ein notwendiges Übel der Zivilisation betrachtete, war er von solchem Verhalten angewidert und kündigte seine Stellung.
Nun blieb ihm noch Amerika übrig. Dort hoffte er, für seine Ideen einen guten Boden vorzufinden. Aber auch hier hatte er anfänglich mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Er kam mit Thomas Alva Edison zusammen. Doch diese zwei so genialen Köpfe waren grundverschieden in ihrem Wesen. Edison war Erfinder und gleichzeitig guter Kaufmann — Tesla war Entdecker, Erfinder und Idealist. Die Bekanntschaft, von einer Freundschaft kann man wohl nicht reden, dauerte nicht lange. Tesla zog sich zurück, und es war gut so für ihn, denn sein Genie konnte sich erst jetzt richtig ungehindert entfalten, gemäß dem Spruch: „Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom