84
Die Enthüllungsfeier der Nikola TESLA-Büste
der Welt." Tesla wurde arbeitslos und verdiente sich als Gelegenheitsarbeiter, ja sogar als Erdarbeiter, seinen kärglichen Lebensunterhalt. Aber wie im Entschluß Gottes nichts von ungefähr ist, so sollte auch diese Tätigkeit ihn weiterbringen. Ein Vorarbeiter der Erdarbeiter, dem er sein „technisches Herz“ ausgeschüttet hatte, führte ihn bei A. K. Brown der Western Telegraph Company ein. Brown sowie der Vorarbeiter opferten sogar ihr erspartes Geld für Teslas Pläne. Aus dieser Bekanntschaft mit Brown entstand die Tesla Electric Company in der South Avenue 33—35 am heutigen West Broadway. Damit aber entbrannte der große Kampf: Gleichstrom — Wechselstrom, der zwar kein prinzipieller, sondern ein finanzieller Kampf war. Edison war ein aus geschäftlichen Gründen eingeschworener Anhänger des Gleichstromes, Tesla des Wechselstromes. Tesla konstruierte in seiner Firma Einphasen-, Zweiphasen-, Dreiphasen-Generatoren und -Motoren und legte seinen Konstruktionen exakte Berechnungen zugrunde. Professor W. A. Anthony von der Cornell Universität dokumentierte in seinem Gutachten über Teslas Zweiphasenmotor, daß derselbe einen Wirkungsgrad aufweise, der den besten Gleichstrommotoren gleichkomme. Durch die Patentanwälte Duncan, Curtis und Page hatte Tesla am 12. Oktober 1887 sein grundlegendes Patent auf dem Gebiete des Drehstromes angemeldet. Obwohl er schon vielen sein System erklärt hatte, hatte glücklicherweise dieses Wissen niemand zu Teslas Schaden ausgenützt, da keiner geistig noch so weit war und die geschäftliche Chance des Wechselstromsystems erkannt hatte. Tesla ist damit der Vater des Drehstromes geworden. Seine Erfindung war dem Patentamt zu neu und zu umfassend, weshalb er sie auf zirka 30 Patente aufteilen mußte. Sein Vortrag vor dem American Institute of Electrical Engineers in New York, der den Titel trug: „Ein neues System von Wechselstrommotoren und -transformatoren“ ist weltberühmt geworden. Die Westinghouse Company hatte sofort die Vorteile des Wechselstromsystems erkannt und erwarb Teslas sämtliche Patentrechte. Tesla arbeitete jetzt in dieser Gesellschaft. Ein großes Stück seines Lebenswerkes hatte er damit vollendet.
Wieder zog es ihn nach Europa. Die Weltausstellung in Paris bot ihm eine willkommene Gelegenheit und von hier aus fuhr er in seine Heimat, wo er fernab von dem Getriebe amerikanischer Großstädte seinen wohlverdienten Urlaub in seinem Geburtsorte verbrachte. Nach New York zurückgekehrt, arbeitete Tesla intensivst an dem Ausbau seines Wechselstromprojektes. Immer mehr erkannte man auch in Geschäftskreisen den großen Vorteil des Wechselstromes und seines Verteilungssystems. Hatten doch die von Edison erbauten Gleichstromverteilungsanlagen allerlei Nachteile: Spannungsabfälle in den Leitungen, dadurch nicht die gewünschte HO Volt Netzspannung, infolgedessen schlechtes Licht. Wollte man den Spannungsabfall möglichst verkleinern, so mußte man große Leitungsquerschnitte für die Stromzuführungen verlegen. Dies ergab aber ein teures Leitungsnetz. Bei Wechselstrom war es anders, denn diese Stromart konnte man transformieren und das Produkt aus Strom und Spannung blieb praktisch konstant. Man konnte mit hohen Spannungen bei kleinen Strömen dasselbe erreichen wie mit niedrigen Spannungen und mit hohen Strömen. Die niedrigen Ströme bei hohen Spannungen brauchten aber nur einen kleinen Leitungsquerschnitt, waren