Die Enthüllungsfeier der Nikola TESLA-Büste
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somit wirtschaftlicher. Auch war man für die Erzeugung der Energie bei der Verwendung von Wechselstrom nicht mehr an die Nähe des Verbrauchers gebunden, man konnte fernab von der Verbrauchsstelle eine vorhandene Wasser- kraftenergiequelle zur Wechselstromerzeugung heranziehen, den hochgespannten Wechselstrom mittels Leitungen kleinen Querschnittes bei niedriger Stromstärke über weite Strecken führen und ihn dann an der Verbrauchsstelle auf die niedrige Voltspannung bei großer Stromstärke herabtransformieren. Das Elektrizitätswerk war damit nicht mehr ortsgebunden.
Der Besitzer der Westinghouse Electric Company in Pittsburg erkannte die kommerziellen Aussichten des TESLASchen Wechselstromsystems und bot Tesla eine Million Dollar für die nunmehr auf die Zahl 40 angewachsenen TESLASchen Wechselstrompatente. Tesla war damit einverstanden, jedoch unter der Bedingung, daß ihm für jedes PS erzeugter Wechselstrommaschinen und -motoren 1 Dollar Lizenz bezahlt würde. Leider konnte er sich mit den Ingenieuren der Westinghouse Company nicht befreunden, da diese auf seine wohlüberlegten Ratschläge nicht eingehen wollten. Er verließ verärgert Pittsburg und arbeitete wieder allein weiter. Westinghouse war mittlerweile durch Finanzmanöver der Gegner in große finanzielle Schwierigkeiten geraten. Vertragsgemäß hätte Westinghouse an Tesla Lizenzgebühren in der Höhe von zirka 12 Millionen Dollar zahlen müssen, was ihm in der damaligen Situation unmöglich war. Tesla jedoch verzichtete in dankbarer Erinnerung daran, daß Westinghouse der einzige war, der ihn richtig erkannt hatte und der dem Wechselstromsystem die Bahn eröffnete, mit großherziger, nobler Geste auf die Zahlung der 12 Millionen Dollar und auf jede weitere Zahlung von Lizenzgebühren. Diese Tat findet nicht ihresgleichen in der Geschichte. Für Tesla sank somit die Hoffnung, von Geldsorgen verschont zu sein. Denn die seinerzeitige Million blieb ihm auch nicht, da er die Hälfte an seine Finanziers, u. a. A. K. Brown, refundieren mußte.
Von neuem begann Tesla seine wissenschaftliche Tätigkeit. Wieder reihte sich Erfindung an Erfindung. Er widmete sich jetzt der Hochfrequenztechnik. Bei seinen Forschungen auf dem Gebiete des Drehstromes war es ihm gelungen, Frequenzen von 10.000 Hz zu erzeugen; er erkannte sofort, daß er hier ein Gebiet betrete, das zu großen Erfolgen führen werde. Er entwickelte die eisenlosen Transformatoren für diese hohen Frequenzen, da er den schädlichen Einfluß des damaligen Eisens in den Transformatoren für hohe Frequenzen erkannte. Er baute auch Öltransformatoren und legte damit den Grund für die heutige Entwicklung der Hochspannungstransformatoren, wie sie beispielsweise den Bau kleiner Hochspannungstrafos für transportable Röntgenapparate ermöglichen, bei denen sich innerhalb eines geerdeten, mit öl gefüllten Behälters der Hochspannungstransformator und die Röntgenröhre befinden. Tesla machte bereits den Vorschlag, Uhrwerke mittels konstanter Frequenz als Synchronuhren zu betreiben. Er beschäftigte sich mit dem Prinzip der Resonanz in Wechselstromkreisen und dehnte seine Versuche von der Niederfrequenz auf die Hochfrequenz aus. Er konstruierte die berühmt gewordenen TESLA-Spulen, die noch immer im Physikunterricht die Schüler begeistern. Bereits 1890 hatte er die Wärmewirkung der Hochfrequenzströme entdeckt, und wenn heute mit Diathermie behandelt wird.