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Egbert Salcher
aller Schwankungen des Wasserstandes, vor allem also den Niederschlag in jeder Form, dann die Temperatur von Luft und Wasser, die Verdunstung zu Lande und an Wasserflächen, die Versickerung und besonders auch die Geschiebe- und Schwebstofführung. Weiters die Ermittlung der Abflußmengen und schließlich die statistische Verarbeitung und die Veröffentlichung der gewonnenen Ergebnisse.
Zweitens die hydrotechnische Begutachtung wasserbaulicher Planungen, sei es solcher, welche die Gewässer auszunutzen suchen — also Anlagen zur Bewässerung, zur Wasserversorgung, zur Nutzung der Wasserkräfte oder zur Förderung der Schiffahrt —, oder seien es solche, die den Schutz gegen schädliche Einwirkungen — Hochwässer oder verunreinigte Abwässer — bezwecken. Hiezu müssen Studien hydrologischen und morphologischen Inhalts sowie kartographische Unterlagen ausgearbeitet werden. Soweit solchen Gutachten und Studien grundsätzliche Bedeutung zukommt, sind sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Drittens sind die ausgewerteten Beobachtungen, Erhebungen und Studien allmählich in planvoller Arbeit zu einer die einzelnen Flußgebiete des ganzen Landes umfassenden Hydrographie Österreichs auszubauen.
Die erste und grundlegende Aufgabe des HD besteht sonach darin, den Ablauf und die Schwankungen des Wasserstandes zu erheben, welche oberirdisch abfließende Gewässer mitmachen. Wohl sind hin und wieder auch aus weiter zurückliegender Zeit Hochwassermarken erhalten, die besonders bemerkenswerte Höchststände der Gewässer festhielten. Ständig beobachtete Pegel gab es aber bis Ende des 18. Jahrhunderts noch kaum; aber auch die dann allmählich eingerichteten gewannen erst Bedeutung, als ihre Skala auf eine feste Höhe im Verhältnis zum umliegenden Gelände gebracht wurde. Die ältesten Pegelablesungen, die sich auf eine der Höhe nach immer wieder geänderte Skala bezogen, wurden später vermutlich als nicht mehr verwendbar vernichtet. Darauf ist es offenbar zurückzuführen, daß die ältesten in Österreich erhalten gebliebenen Wasserstandsaufzeichnungen nur bis zum Jahre 1811 zurückreichen; sie beziehen sich auf den alten Wiener Donaukanal. Von da an nahm die Anzahl der Pegel fallweise zu, je nachdem, ob Naturereignisse, wie etwa die Hochwässer von 1830, Trockenjahre wie 1874 oder Verwaltungsreformen, wie die Errichtung einer technischen Sektion im 1848 gegründeten K. k. Handelsministerium oder die 1860 erfolgte Organisation des Staatsbaudienstes, die Veranlassung dazu boten.
Den großen wasserbaulichen Unternehmungen des vorigen Jahrhunderts (man denke beispielsweise an die Donauregulierung bei Wien, die Regulierung der Etsch, des Inns, der Drau, Weichsel usw.) waren natürlich schon gewässerkund- liche Studien vorangegangen, die aber meist nur einem bestimmten Zwecke dienten und auf ihn zugeschnitten waren; im ganzen gesehen war das Beobachtungsmaterial vielfach dürftig und unverläßlich und konnte an den meisten Gewässern nur ganz allgemeine Anhaltspunkte zur Charakterisierung ihres Regimes geben. Die Gründung des staatlichen HD erfüllte daher die Forderung nach einer systematischen Beobachtung und Sammlung aller hydrographischen Elemente.
Von den zur Gründungszeit des HD bestehenden Pegeln, die von einzelnen