Aufsatz 
Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953 / von Egbert Salcher
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Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 his 1953

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Landesvenvaltungen oder Strombanämtern betreut wurden, entsprachen 723 den Gesichtspunkten, die nunmehr für den HD als maßgeblich erkannt wurden und konnten daher in das neue Beobachtungnetz übernommen werden; sie lagen ver­teilt über die ganze eisleithanische Reichshälfte der ehemaligen österreichisch­ungarischen Monarchie, über jenes Gebiet also, das der HD in den ersten 25 Jahren seines Bestandes hydrographisch zu betreuen hatte. Die Anzahl der Pegel wurde den Erfordernissen gemäß ständig erweitert, bis sie vor dem ersten Weltkrieg den Höchststand von 1310 erreichte.

Die Kenntnis der Wasserstandsschwankungen allein reicht jedoch zur Be­urteilung der Abflußverhältnisse nicht aus; auch die Hauptursache dieser Ver­änderungen, der Niederschlag, muß in allen seinen Formen erfaßt werden. Daher war gleichzeitig mit dem Aufbau eines Pegelnetzes auch der eines Be­obachtungsnetzes für Regen und Schnee erforderlich; im Jahre 1895 waren es 2105 bzw. 640 ältere Meßstellen, die vom HD übernommen werden konnten, bis 1918 war ihre Anzahl auf 2861 bzw. 3127 angewachsen. Da der in fester Form fallende Niederschlag das Wasser in den Einzugsgebieten zurückhält und damit oft monatelange Abflußverzögerungen bewirkt, ist er von besonderer wasserwirt­schaftlicher Bedeutung. Es ist daher unbedingt erforderlich, ihn gesondert zu beobachten und zu behandeln.

Seit Bestehen des Bundesstaates, der etwa ein Drittel der Fläche von Alt­österreich umfaßt, waren die auf neuösterreichisches Gebiet entfallenden Haupt­beobachtungsstellen keiner wesentlichen Änderung mehr unterwerfen; abgesehen von Studienpegeln usw\ zeitlich beschränkter Dauer betreut der HD heute 580 Pegel, 661 Regenmeßstellen und 667 Schneepegelstationen; dazu kommen Be­obachtungen über die Temperatur von Luft und Wasser, die 1912 an 850 bzw\ 140, gegenwärtig an 215 bzw. 70 Meßstellen vorgenommen w 7 erden.*

Wenn auch für manche Zw 7 ecke diese Beobachtungen schon ausreichen, so ist es doch für die überwiegende Zahl wasserwirtschaftlicher Fragestellungen und Aufgaben erforderlich, auch die jeweils zum Abfluß gelangenden Wasser men gen zu kennen. Hiezu ist es bekanntlich notwendig, auf Grund von Abflußmengen­messungen eine Beziehung zwischen Pegelstand und Abfluß, früher als Kon­sumtionskurve, heute meist als Abflußkurve bezeichnet, aufzustellen. (Die in Ausarbeitung begriffenen österreichischen gew 7 ässerkundlichen Normen sehen hiefiir den Ausdruck Pegelschlüssel bzw. Schlüsselkurve vor.)

Die Bedeutung, die dem Grundwasser in stets steigendem Maße zukommt, erforderte auch für diese Erscheinungsform des Wassers den Ausbau eigener Be­obachtungsnetze, die sich derzeit hauptsächlich auf die Ebenen des Alpenvorlandes beschränken (Welser Heide, Tullner Feld, Marchfeld, südliches Wiener Becken),

* In diesen Zahlen sind nur die eigenen Meßstellen des HD enthalten; ergänzt wird dieses Netz durch 180 Stationen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, an denen u. a. auch der Niederschlag und die Lufttemperatur gemessen wird; in den hydrographischen Jahrbüchern werden auch deren Ergebnisse, um ein möglichst umfassendes Material zu bieten, ausgewiesen. Überdies stehen eine Anzahl von Pegeln, Niederschlagsmeßstellen und Totalisatoren verschiedener Kraftwerksge­sellschaften in Betrieb, deren Ergebnisse ebenfalls dem HD mitgeteilt und von diesem mitverwertet werden.