Aufsatz 
Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953 / von Egbert Salcher
Entstehung
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Egbert Salcher

mit dem östlich des Neusiedler Sees eingerichteten aber bereits in den pannoni- sehen Raum übergreifen, während anderseits auch die Grundwasservorräte der inneralpinen Täler und Becken in den Kreis der Erforschung rücken. Insgesamt stehen derzeit 310 Grundwasserpegel des HD in Beobachtung.

Den vorgenannten vielfältigen Beobachtungen dienen Apparate und Ge­räte, die zur Gründungszeit des HD im allgemeinen den gestellten Anforderungen noch nicht ganz entsprachen; sie wurden im wesentlichen von den Hydrographen der neuen Dienststelle verbessert, oft überhaupt erst neu entworfen und den inzwischen gewonnenen Erfahrungen gemäß ausgestaltet. Die zum Ablesen der Wasserstände dienenden, gewöhnlichen Lattenpegel verschiedener Ausführungsart wurden vielfach durch selbstschreibende Geräte (Limnigraphen) ergänzt, die die Wasserstandsganglinie ununterbrochen aufzeichnen und daher auch die Kenntnis der abgeflossenen Wassermengen weitgehend verfeinern; diese eingehende Kenntnis bildet besonders für das Studium der Hochwasseranschwellungen und für den Entwurf von Schutzmaßnahmen gegen die Hochwässer eine unerläßliche Voraussetzung. 1913 waren 143 derartige Limnigraphen aufgestellt.

Ebenso war auch eine genauere Erfassung der Niederschlagsstärke innerhalb der üblichen 24stündigen Terminbeobachtungen notwendig, was durch die Auf­stellung selbstschreibender Regenmesser ermöglicht wurde. Auch diese wurden von Amtshydrographen verbessert; zur Zeit der Monarchie befanden sich rund 80 derartiger Regenschreiber in Tätigkeit. Für die laufenden Terminbeobachtungen war ein Regenmesser mit 500 cm 2 Auffangfläche in Verwendung, der später zum Unterschied von dem unter deutscher Verwaltung vielfach eingeführten Gerät mit nur 200 cm 2 , das sich aber in höheren I^agen nicht bewährte, Gebirgsregenmesser benannt wurde.

Zur Durchführung der Abflußmengen wurden im HZB gleich zu Beginn seiner Tätigkeit in Zusammenarbeit mit österreichischen Firmen auf dem Gebiete der Feinmechanik verschiedene Typen von hydrometrischen Flügeln entworfen, die sich wegen ihrer Präzision und leichten Handhabung besonders in den Ge- birgswässern eigneten. Noch heute stehen einige dieser, auf Grund der Erfahrung später verbesserten Typen in Verwendung. Für die verschiedenen Wasserläufe wurden sie je nach Gefälle, Tiefe und Wassermenge als Taschen-, Stangen- und Hochwasserflügel hergestellt; besonders die letzteren mit ihrem 50 und 100 kg schweren torpedoförmigen Flügelkörper haben sich bestens bewährt.

Zur Tarierung dieser Instrumente, worunter die Bestimmung des gesetz­mäßigen Zusammenhanges zwischen Umdrehungszahl und Wassergeschwindig­keit zu verstehen ist, diente die 1896 nach Plänen des Hydrographischen Central­bureaus im Prater errichtete hydrometrische Prüfungsanstalt. Sie verfügte über einen Prüfkanal von 120 m Länge, durch welchen die Flügel mittels eines elektrisch angetriebenen Meßwagens mit Geschwindigkeiten zwischen 0,4 und 5,0 m/s ge­schleppt werden konnten. Nach SOjährigem Betriebe wurde diese Anstalt durch Kriegshandlungen im Frühjahr 1945 völlig zerstört; vier Jahre später ist sie in der erweiterten wasserbaulichen Versuchsanstalt des Bundesministeriums für Land- u. Forstwirtschaft neu erstanden.

Die Einheitlichkeit in der Beobachtung und Messung sowie in der Aus-