Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953
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arbeitung der Erhebungen wurde durch die Ausgabe von Vorschriften und an- leitungen gewährleistet.
Die laufende und tunlichst rasche Veröffentlichung der den praktischen Erfordernissen angepaßten Auswertung der Beobaehtungsergebnisse gehört zu den Hauptpflichten des HD. Dies geschieht durch die Herausgabe hydrographischer Jahrbücher. Die ersten beiden Jahrgänge 1893 und 1894 enthielten die Ergebnisse der noch von den früheren Besitzern unterhaltenen Beobachtungsstellen, dann erst folgten die nach den eigenen Vorschriften durchgeführten und ausgearbeiteten Messungen. Die im ersten Jahrgang einmal getroffene, sachlich gestaltete Anordnung wurde — von unwesentlichen Ausnahmen abgesehen — auch weiterhin unverändert beibehalten, um die dauernde Benützung des Tabellenwerkes zu erleichtern. Die statistischen Daten sind wegen der großen Schwankungen, denen Beginn und Ende des Abflußjahres in den Alpengebieten unterliegen, durchwegs auf das Kalenderjahr abgestellt. Ab Jahrgang 1895 wurden die zur Zeit der Monarchie behandelten Flußgebiete einschließlich eines allgemeinen Übersichtsteiles in 15 Einzelheften ausgegeben; der letzte Jahrgang dieser Reihe umfaßt das Jahr 1913, die weiteren behandeln nur mehr das österreichische Bundesgebiet und erschienen bis 1920 in vier, sodann bis einschließlich 1933 in fünf Heften.
Um die Rückstände, die bis nach dem Ende des zweiten Weltkrieges entstanden waren, rascher nachzuholen, wurden diell Jahrgänge1934 bis 1947 in verkürzter Form, die immerhin das Wesentliche enthielt, als „Jahresübersichten“ herausgegeben. Vom Berichtsjahr 1948 an werden die Jahrbücher wieder in ihrer alten Form veröffentlicht, jedoch den neueren Anforderungen gemäß inhaltlich erheblich ausgestaltet.
Die Jahrbücher enthalten, wie der Name sagt, nur den Beobachtungsstoff eines einzelnen Jahres, das natürlich vom Durchschnitt stets mehr oder weniger abweicht. Die gewässerkundliche Kennzeichnung eines Gebietes muß sich aber auf Durchschnittswerte stützen können, die aus möglichst langen Beobachtungsreihen gewonnen wurden. Eine wichtige Aufgabe des HD bildet es daher, einerseits die angesammelten Beobachtungen zu Mittelwerten für längere Jahresreihen zu- sammenzufassen, anderseits die während eines solchen längeren Zeitraumes eingetretenen Extremwerte herauszuheben; so wurden vorerst für die 25 Jahre 1876 bis 1900 die Niederschläge für das ganze ehemalige österreichische Gebiet zusammenfassend behandelt, dann die anschließenden 25 Jahre 1901 bis 1925 in der Ausdehnung der gegenwärtigen Bundesländer; danach entworfene Isohyetenkarten im Übersichtsmaßstab 1:750.000 ergänzen diese umfangreichen Tabellenwerte.
In ähnlicher Weise sind auch die im Zeitraum 1896 bis 1915 beobachteten Lufttemperaturen zur Zeichnung von Isothermenkarten für den Jänner, Juli und für das Jahresmittel für den Bereich des heutigen Bundesstaates ausgewertet worden.
Mit dem Abschluß der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts erfuhren dann nicht nur die Niederschlagsbeobachtungen eine weitere, diesen ganzen Zeitraum zusammenfassende Bearbeitung; ebenso sind auch die 50jährigen Meßergebnisse über Lufttemperaturen, über Schneehöhen, Beginn und Dauer der Schneedecke u. dgl. m. in Form umfangreicher Tabellenwerke ausgewertet worden.