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Egbert Salcher
Auch die Wasserstünde und Abflußverhältnisse einzelner Gewässer von größerer wasserwirtschaftlicher Bedeutung haben eine ähnliche zusammenfassende Bearbeitung erfahren. Besondere Sorgfalt wurde hiebei der Donau zugewendet; eingehende Untersuchungen über die Sohlveränderungen des Stromes im Zeitraum 1893 bis 1942 konnten diese schwierig zu erfassenden morphologischen Vorgänge klären und diese Fragen zu einem für die Schiffahrt und die Kraftnutzung gleicherweise befriedigenden Abschluß bringen.
Die Behandlung hydrologischer Aufgaben ist schließlich nicht möglich ohne genaue Kenntnis der geographischen Gestalt des Gewässernetzes und der Flächengrößen der Einzugsgebiete. Sie bildet geradezu den Ausgang für die hydrographische Erforschung .jedes Landes und daher ist auch der HI) schon zu Beginn an die Schaffung dieser unentbehrlichen Unterlagen geschritten. Als erster der ..Beiträge zur Hydrographie Österreichs“ erschien 189(5 das Flächen Verzeichnis der Flußgebiete Altösterreichs mit einer hydrographisch ergänzten, also auch die im damaligen Ausland gelegenen Flußgebietsteile enthaltenden Karte im Maßstab 1:750.000. Tn diesem Flächenverzeichnis blieben freilich noch die kleineren Gewässer unberücksichtigt. Es liegt auf der Hand, daß die heutige Wasserwirtschaft Aufgliederungen und Flächengrößen bis zu sehr kleinen Einzugsgebieten herab benötigt. Dieser Notwendigkeit entsprechend wurde — wie übrigens von vornherein geplant — noch vor dem ersten Weltkrieg mit der Herausgabe genauerer Flußgebietskarten und Flächenverzeichnisse begonnen. Im Jahre 1912 konnte der das Salzach- und Inngebiet und bald darauf der die Save behandelnde Teil mit einer Karte 1 : 200.000 erscheinen. Nach langer Unterbrechung wurde diese wichtige Arbeit aber erst nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Flächenverzeichnis für das Draugebiet (1949) fortgesetzt, dem 1952 der umfangreiche Band über das westliche Donaugebiet (Innmündung bis Ybbsmündung) folgte. Der ebenso stattliche Band für das östliche Donaugebiet ist nahezu fertig bearbeitet.
Alle diese vielseitigen statistischen Beobachtungen, Messungen und deren Bearbeitungen bildeten die Grundlage zu einem großzügig angelegten Unternehmen, als es sich darum handelte, die Wasserkräfte einer weitaus intensiveren Nutzung zuzuführen, als es bis dahin der Fall war. Zu einer Zeit, als in Österreich die Gewässer nur in sehr geringem Umfang zu Kraftzwecken herangezogen waren, entschloß sich das HZB — es ist das die übliche, bereits längst eingebürgerte Abkürzung für das Hydrographische Zentralbüro —, die Öffentlichkeit auf diese mächtige, unausgenützte Kraftreserve aufmerksam zu machen, indem es 1906 mit der Aufstellung eines AVasserkraftkatasters begann. In Tabellen und graphischen Darstellungen wurden die zum Ausbau von AA T asserkraftanlagen benötigten Unterlagen geboten; sie enthalten Angaben über die Betriebswasserführung, das bereits in Anspruch genommene und das noch verfügbare Gefälle sowie hydro- geologische Beschreibungen des Einzugsgebietes.
In diesem Kataster gelangten allmählich in 325 Blättern 3150 Flußkilonieter zur Bearbeitung, wovon 2560 km mit 185 Blättern auf das jetzige Bundesgebiet entfallen. Noch zur Zeit der Monarchie hatte derAA'asserkraftkataster Anerken-