Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1898 bis 1953
nung und Nachahmung gefunden, da er die Ausnützung der heimischen Wasserkräfte nachhaltig förderte und belebte. Einige Jahre nach ihrem Zerfall, als die Erkenntnis vom Werte der Wasserkräfte schon Gemeingut geworden und damit eines der Ziele, das der Wasserkraftkataster anstrebte, erreicht war, wurde die Fortsetzung des großen Werkes eingestellt, zumal der technische Fortschritt wie auch die geänderten wirtschaftlichen Verhältnisse grundsätzliche Umstellungen gebracht hatten, denen der Kataster hätte angepaßt werden müssen.
Die damals erreichte Wirkung war aber doch so nachhaltig, daß man nach dem zweiten Weltkrieg auf den alten Gedanken zurückgriff, als der Energiehunger einen weiteren großzügigen Aushau der Wasserkräfte als unabweisbare Notwendigkeit vor Augen stellte. Das Behördenüberleitungsgesetz vom Jahre 1945 trennte nunmehr allerdings die Dienststelle, die den neuen Kataster zu bearbeiten hatte, vom Hydrographischen Zentralbüro und unterstellte sie dem Handelsministerium. Vom Gesichtspunkte der Einheit der Wasserwirtschaft aus ist das zu bedauern, die finanzielle Bewegungsfreiheit, deren sie sich erfreuen konnte, ermöglichte es aber dem tüchtigen Mitarbeiterstab dieser Dienststelle, in enger Zusammenarbeit mit dem HD den neuen österreichischen Wasserkraftkataster zu einem vorbildlichen Standardwerk auszugestalten.
Neben der eigentlichen hydrographischen Forschung betrachtete das 11ZB auch die Verbesserung und Verfeinerung der hydraulischen Berechnungsmethoden als seine Aufgabe, zumal beide Gebiete nicht streng voneinander zu trennen sind. Die Frage der Berechnung der Wassergeschwindigkeiten in natürlichen Gerinnen und ihrer Verteilung über den Querschnitt bietet beispielsweise ebensowohl ein hydraulisches wie hydrographisches Interesse. Das HZB errichtete daher im .Jahre 1912 eine Versuchsanstalt für Wasserbau mit der Zweckbestimmung, die Strönnmgsvorgänge in natürlichen und künstlichen Gerinnen sowie an Wasserhauwerken und die hiebei auftretenden Kräfte und Wirkungen mittels des Modellversuches zu erforschen.
Diese in Wien IX., Severingasse nach den Plänen des HZB errichtete Anstalt erfüllte die ihr zugedachten wissenschaftlichen und hydrotechnischen Aufgaben in hohem Maße und hat damit wesentlich zur Erhöhung der Sicherheit und Wirtschaftlichkeit im Wasserbau beigetragen. Während zu Anfang ihres Bestandes die flußbaulichen Aufgaben im Vordergründe standen, traten später solche des konstruktiven Wasserbaues und der Wasserkraftnutzung mehr und mehr hervor. Im Zuge der nach dem zweiten Weltkrieg neuerlich einsetzenden verstärkten Wasserkraftnutzung wurde die Anstalt erweitert und mit ihr die schon erwähnte hydrometrische Prüfanlage vereinigt. Die an der Anstalt gewonnenen Forschungsund Versuchsergebnisse werden, soweit sie allgemeineres Interesse beanspruchen, in eigenen Mitteilungen veröffentlicht.
Bald nach Aufnahme seiner Tätigkeit, ehe also dem HD noch das ganze Rüstzeug an ausgewerteten Beobachtungen und hydrologischen Erkenntnissen vorlag, das zu einer Hydrographie Österreichs zusammengefaßt werden sollte, war er schon in einem anfänglich ungeahnten Maß mit hydrotechnischen Fragen