Aufsatz 
Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953 / von Egbert Salcher
Entstehung
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Egbert Salcher

großer Dringlichkeit befaßt. Den ersten Anlaß hiezu boten die katastrophalen Auswirkungen der beiden Hochwässer der Jahre 1897 und 1899 im Donauraum. Die Maßnahmen, die eine Wiederholung derartiger Schäden hintanhalten sollten, setzten eingehende Vorarbeiten voraus, mit deren Durchführung über Antrag des Reichsrates das HZB beauftragt wurde. Der HD war nunmehr einige Jahre hin­durch mit einer Fülle solcher Studien beschäftigt, in denen Ursachen und Ver­lauf der Hochwässer mit beispielgebender Gründlichkeit erforscht und behandelt wurden. In der großen Donaustudie wurden alle größeren seit 700 Jahren ab­gegangenen Hochfluten mit dem Ziel untersucht, die Häufigkeit derartiger Erscheinungen aufzuklären. Hiebei wurden, was bis dahin noch kaum je ver­sucht worden war, die alten Hochwassermarken und die Aufzeichnungen zeit­genössischer Chronisten sorgfältig ausgewertet. Mit Hilfe dieses umfangreichen Materials gelangte man zu erschöpfenden Ergebnissen und konnte feststellen, daß die Donauflut von 1501 die mengenmäßig weitaus größte aller noch historisch erfaßbaren Donauhochwässer war und ungefähr einem 3000jährigen Ereignis entspricht.

Nach ähnlichen Gesichtspunkten und Unterlagen wurden weitere regionale Studien aufgebaut. Da war z. B. das Rückhaltevermögen der Seen im Gewässer­netz der Traun zu erforschen, um ihre Rolle beim Ablauf der Hochwässer zu klären, eine Arbeit, die bis heute maßgebende Bedeutung beanspruchen darf, da gerade jetzt wieder, im Zuge des Energieausbaues und der Traun-Rahmen - planung das Speichervermögen dieser Seen bei Hochwasser die Ausbaupläne ent­scheidend beeinflußt. Weitere Studien behandelten den Hochwasserrückhalt im Tullnerfeld, den Hochwasserschutz der Stadt Wien, den Wasserhaushalt des Bodensees u. dgl. m.

Der Umfang des herangezogenen und ausgewerteten Materials, seine sorg­fältige und erschöpfende Behandlung und die wissenschaftliche Klarheit der an­gewendeten, vielleicht neuartigen Methoden machen diese im Druck erschienenen Studien geradezu zu Standardwerken für die Behandlung von Hochwasserfragen und zu unerschütterlichen Grundlagen für jede weitere, einschlägige Arbeit.

Die Beschäftigung mit den Hochwasserursachen und -erscheinungen blieb auch weiterhin ein wichtiges Aufgabengebiet des HD, das in zahllosen kleineren, nicht veröffentlichten Studien und Gutachten, besonders solchen zu Regulierungs­projekten der staatlichen Wasserbauverwaltung, seinen Niederschlag fand und dessen weitere, wissenschaftliche Durchdringung nie aus dem Auge verloren wurde. Nachdem 1932 der österreichische Wasserbauingenieur Graszberger wohl als erster die Wahrscheinlichkeitstheorie auf das Hochwasserproblem anwendete, haben die beiden Amtshydrographen V. Felber (Wien) und H. Kreps (Graz) in den letzten Jahren gerade diese Methode wesentlich und mit solchem Erfolge ausgebaut, daß entscheidende Einsichten in den Ablauf und die Gesetzmäßigkeiten der Hochwasserereignisse erwartet werden dürfen.

Die im Donaugebiet alljährlich wiederkehrenden Hochwässer haben zur Ein­führung eines Hochwasserwarndienstes an diesem Strome und seinen wichtigsten Nebenflüssen geführt; er dient dem Schutze der Kulturen und Siedlungen, aber