Die Entwicklung des Hydrographischen Dienstes in Österreich von 1893 bis 1953
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auch den Belangen der Schiffahrt, für welche außerdem ein über alle Donauuferstaaten ausgedehnter hydrographischer Nachrichtendienst eingerichtet ist; mit der täglichen Bekanntgabe der AVasserstandshöhen und ihrer Prognosen auf telephonischem und telegraphischem Wege, zu der später noch die zusätzliche Durchgabe im Rundfunk kam, besteht er seit 1898.
Mit dem Aushau der Wasserkräfte, der nach dem ersten Weltkriege einen, leider bald wieder abgebremsten Aufschwung nahm, erwuchs dem HD die Aufgabe, sich auch dem Probleme der Kraftwasserwirtschaft in stärkerem Maße zuzuwenden. Es waren nicht nur die zur Planung erforderlichen hydrologischen Unterlagen zu beschaffen — eine Aufgabe, in der er sich durch die finanzielle Beengtheit allerdings immer mehr behindert sah —, er hatte auch zu den größeren Entwürfen gutachtlich Stellung zu nehmen, um eine unrationelle Ausbeutung der Wasserkräfte zu vermeiden. Hiebei begannen morphologische Fragen eine wichtige Rolle zu spielen, da die Schwebstoff- und Geschiebeführung beim stufenförmigen Ausbau der Flüsse sich als eine vordringlich und schwierig zu meisternde Aufgabe erwies. Um 1932 konstruierte Ehrenberger, der Leiter der AViener A T er- suchsanstalt für AATisserbau, ein Geschiebefanggerät, mit dem er in der Donau in richtunggebender AVeise Geschiebemessungen ausführte; so konnte der Geschiebetransport dieses Stromes, der bisher nicht einmal annähernd bekannt war und über den die Schätzungen fast um das Zehnfache auseinandergingen, wenigstens größenordnungsmäßig erfaßt werden. Alessungen von anderer Seite am Alpenrhein und am Inn wurden durch die Alithilfe von Amtshydrographen wesentlich gefördert. In Linz machte sich F. Rosenauer durch den Bau neuer Geräte um die Alessung und Kenntnis der Schwebstofführung der Donau verdient. An mehreren Gewässern Österreichs wurden ständige Schwebstoffmeßstellen ein- gerichtet und die Ergebnisse dieser und anderer flußmorphologischer Untersuchungen in einer eigenen kleinen A T eröffentlichung zusammengefaßt. Da auch noch Abwasserfragen und solche der AVasserversorgung, insbesondere aus dem Grundwasser, hinzukamen, dehnte sich das Tätigkeitsgebiet des HD immer mehr aus.
A~on der Fülle hydrologischer Studien, Gutachten, Abhandlungen und amtlicher Äußerungen, die sich im Laufe der Zeit ansammelten, kam vielen eine über den einzelnen Fall hinausreichende, allgemeinere Bedeutung zu. Zur Zeit der Monarchie konnte das HZB — wie schon erwähnt — manche dieser Arbeiten der Öffentlichkeit zugänglich machen, ehe sie in den Archiven verschwanden; im folgenden ATerteljahrhundert bestand diese Möglichkeit nur mehr in äußerst eingeschränktem Maße, die Publikationstätigkeit war weitgehend unterbunden; erst nach 1945 konnte an die gute alte Tradition wieder mit Erfolg angeknüpft werden.
Die bereits im Organisationsstatut vorgesehenen A T erÖffentlichungen des HD erscheinen seit 1894, den vielfältigen sachlichen Anforderungen angepaßt, in sieben verschiedenen Reihen. Die erste umfaßt die Jahrbücher (und Jahresberichte), über deren Zweckbestimmung und Inhalt schon gesprochen wurde; es sei kurz wiederholt, daß bis 1918 21 Jahrgänge für das altösterreichische Gebiet über die Berichtsjahre 1893 bis 1913 erschienen sind. In der Zeit von 1918 bis 1945 kamen