Die Entwicklung des wasserbaulichen V ersuchswesens.
Zum 40jährigen Bestand der Bundesversuchsanstalt für Wasserbau
in Wien.
Von
Ministerialrat i. R. Dipl .-Ing. Dr. techn. Rudolf Ehrenberger.
Mit 5 Abbildungen.
•
Ein Blick auf die über die ganze Erde verbreiteten wasserbaulichen Anlagen läßt den ungeheuren Fortschritt auf dem Gebiete des gesamten Wasserbaues seit dem vergangenen Jahrhundert unmittelbar erkennen. Das in allen Kulturländern immer mehr in den Vordergrund tretende Bestreben, sich von der Kohle als Energiequelle frei zu machen, hatte den besonderen Aufschwung der Wasserkraftnutzung zur Folge. Wir bewundern nicht weniger die großen Niederdruckais die gewaltigen Hochdruckanlagen mit ihren kühnen Talsperren, die sich heute nicht mehr begnügen, nur das Wasser des eigenen Gebietes zu sammeln, sondern auch jenes benachbarter Einzugsgebiete der Kraftnutzung zuführen. Dieser Aufschwung war erst möglich, als sich der Wasserbau zweier Hilfswissenschaften bedienen konnte, nämlich der Hydrographie und der Hydraulik. Während die erstere die den Bauwerken zugrunde zu legenden Abfluß Verhältnisse (sekdl. Wassermengen, Dauer der Wasserstände usw.) vermittelt, lehrt die zweite die Gesetzmäßigkeiten der Fließbewegung. Infolge der oft recht verwickelten Vorgänge im fließenden Wasser ist die Hydraulik mehrfach gezwungen, vereinfachende theoretische Annahmen zu machen, die nicht immer streng zutreffen. Hier seien nur z. B. die Probleme der unvollkommenen Überfälle, der Streichwehre, des Brückenstaues herausgegriffen. Vielfach ist man genötigt, „Beiwerte” einzuführen (Rauhigkeits-, überfallbeiwert usw.), deren Einschätzung eine große Erfahrung voraussetzt, die aber die Resultate stark beeinflussen. Auch auf dem Gebiete des reinen Flußbaues ist die theoretische Behandlung vieler hier auftretender Fragen derzeit noch mit großen Schwierigkeiten verbunden. Zwar zeigen sich schon verschiedentlich Ansätze zur rechnerischen Behandlung der Geschiebefragen, doch weichen die nach den verschiedenen Formeln erhaltenen Resultate oft noch weit voneinander ab. Ist es doch noch gar nicht lange her,