42
Otto Lanser
ScHOBERschen Windrad das für einen eigentlichen Tachometer allein geeignete Bauprinzip. Er bemüht sich ferner, in seinem 1790 in Hamburg erschienenen Büchlein „Theorie und Gebrauch des hydrometrischen Flügels“ die Wirkungsweise des Geräts theoretisch zu erfassen, insbesondere die erforderliche Schrägstellung der Flügel zu berechnen. Er befaßt sich sogar mit der Frage der Schräg- anströmung des Flügels und findet im Versuchswege, daß das Gerät wenigstens bei geringen Winkeln mit genügender Annäherung die achsparallele Komponente der Strömung erfaßt.
Besonders wertvoll aber sind die vielen praktischen Messungen, die er als Flußbauer und späterer hamburgischer Wasserbaudirektor mit dem Gerät angestellt hat und durch die er, in Übereinstimmung mit den BRÜNiNGschen Versuchen, ein der Wirklichkeit gut entsprechendes Gesetz der Geschwindigkeitsabnahme als Funktion der Tiefe findet, wovon ja früher schon die Rede war.
Schließlich aber enthält sein Buch auch manches, das in allgemeiner Hinsicht technikgeschichtlich von Wert ist. In der Vorrede, mit der er es der „Hamburgi- schen Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe“ widmet, schreibt er:
„Die hydraulischen Maschinen sind es hauptsächlich, von deren möglichste (!) Vollkommenheit und allgemeinste Anwendung der blühende Zustand aller Fabriken, Manufakturen und dazugehörigen Gewerbe vorzüglich abhängt ... Unter den neueren Nationen scheinen die Holländer und Engländer diese Maxime am meisten in Anwendung gebracht zu haben: diese haben ihre lebhaften Gewässer, und zum Teil das Feuer, zum Spiel der Maschinen benutzt, jene, die Holländer, deren flaches Land nur träge Flüsse unterhält, die zum Trieb der Fabriken nicht geschickt sind, haben mit bewunderungswürdiger Industrie sich zu diesem letztem Zweck des Windes bedient.“
Man wird vielleicht etwas erstaunt sein, gerade England als jenes Land genannt zu finden, das die Wasserkräfte besonders ausnützt; heutzutage könnte es einen solchen Vorrang nicht mehr beanspruchen. Wenn man sich aber erinnert, daß Sir Richard Arkwright mit seiner um 1770 erfundenen, wassergetriebenen Baumwollspinnmaschine eine Umwälzung in der englischen Textilerzeugung hervorgerufen und sie aus einer Heimindustrie zur Großindustrie umgeschaffen hat, dann wird man die Äußerung Woltmanns weniger verwunderlich finden; die Bedeutung der Wasserkraft drückt sich in der heute noch üblichen Bezeichnung „Watermaschine“ und „Watergarn“ aus. Auch der Hinweis auf die beginnende Ausnutzung der Dampfkraft in der Industrie Englands ist von Interesse.
Von klarer Einsicht in die Mechanik der Kraft- und Arbeitsmaschinen aber zeugt der letzte Abschnitt der Widmung:
„... Die Quantität der Arbeit, die man auch den Effekt der Maschine zu nennen pflegt, ist ein Gegenstand mathematischer Betrachtungen. Der Mathematiker, welcher über die Vollkommenheit einer hydraulischen Maschine richtig urteilen, und ihren Effekt mit dem von einer anderen vergleichen will, muß die Geschwindigkeit der Ströme des Wassers, oder der Luft, welche die Maschinen treiben, in Erfahrung bringen können, und hiezu bedarf es eines hydrometrischen Werkzeugs...“