Aufsatz 
Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens / von Otto Lanser
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Otto Lanser

somit abhängig von der Fahrgeschwindigkeit. Meist läßt sich der Zusammen­hang zwischen u und v gar nicht durch eine Gleichung für den ganzen Meß­bereich darstellen, sondern es müssen zwei oder mehr solcher aufgestellt werden. Zur Eichung eines Flügels genügt es sohin nicht, nur die Gesamtumdrehungszahl bei einer an sich beliebigen Geschwindigkeit zu bestimmen, es müssen vielmehr mehrere Meßfahrten mit verschiedenem v ausgeführt werden, so daß eine größere Anzahl von Meßpunkten zur Bestimmung der Größen a und b zur Verfügung steht.

Die Verhältnisse seien an einem praktischen Beispiel veranschaulicht; für einen bestimmten OTT-Flügel wurde z. B. die Gleichung ermittelt: v = 0,1328. u + + 0,028.

Angenommen, die Länge des Eichweges betrüge 50 m, so ergibt sich für die nachstehenden Meßzeiten und -geschwindigkeiten folgende Gesamtumdrehungs­zahl U:

t

=

v - -

U -

250

sek

0,2 m/sek

323,2

100

sek

0,5 m/sek

354,9

50

sek

1,0 m/sek

365,4

25

sek

2,0 m/sek

370,7

12,

5 sek

4,0 m/sek

373,4

10,0 sek

5,0 m/sek

373,9

Hätte AV oltmann z. B. seine Eichfahrt mit v = 0,5 m/sek ausgeführt und hätte er dann mit dem sogeeichten Flügel eine wahre AVassergeschwindigkeit von 4,0 m/sek messen wollen, so hätte er statt dessen eine vermeintliche Geschwindig­keit v' = 4,0 = 4,21 m/sek erhalten. Der Unterschied von rund 5% ist

354,9

freilich nicht groß, er liegt fast noch unter der Genauigkeit, mit der man sich in der hydrographischen Praxis überhaupt begnügen muß, aber er wäre z. B. für die Berechnung eines Turbinenwirkungsgrades doch schon ganz unzulässig.

Jedenfalls stellte sich mit zunehmender mechanischer Präzision der Flügel die Notwendigkeit heraus, sie bei verschiedenen Geschwindigkeiten zu eichen. Hiezu bediente man sich zunächst eines oder zweier Kähne, die in einem Teich vom Ufer aus mittels Seilen mit bestimmter Geschwindigkeit über eine abgesteckte Meßstrecke gezogen wurden. Harlacher, von dem gleich noch ausführlicher zu sprechen sein wird, bediente sich 1875 eines mit einem normalen Geleise ver­sehenen, auf zwei Pfahlreihen ruhenden Steges im Moldauhafen bei Podol ober­halb Prag von etwa 80 m Länge.An einem auf dem Geleise befindlichen Bahn­wagen wurde an einem seitlichen Ausleger die den Flügel tragende senkrechte Stange mit dem 0,5 m tief tauchenden Instrument derart befestigt, daß die Flügel­achse parallel dem Geleise war; Arbeiter schoben den AA T agen mit verschiedenen tunlichst konstanten Geschwindigkeiten durch eine Strecke von 30 bzw. 60 m Länge. Auf dem AA'agen befanden sich zwei Beobachter, das Läutewerk und der Sekundenzähler.