Aufsatz 
Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens / von Otto Lanser
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Zur Geschichte des hydrometrischen Meßwesens

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Solche ziemlich umständliche oder nur provisorische Eicheinrichtungen er­setzte man schließlich durch richtige Meßkanäle, deren Seitenmauern Schienen tragen, auf denen ein das Gerinne überbrückender Meßwagen läuft. Die erste derartige Meßstrecke scheint die Elbstrombauverwaltung um das Jahr 1875 in einem etwa 7 m breiten und 1,5 m tiefen Schiffahrtskanal bei Riesa in der Nähe von Dresden eingerichtet zu halten. Eigene, nur für Flügeleichungen dienende Meßkanäle sind aber wohl erst zu Ende des vorigen Jahrhunderts errichtet worden, z. B. vom Eidgenössischen Hydrometrischen Büro in der Nähe von Bern im Jahre 1896 und gleichzeitig vom österreichischen Hydrographischen Zentral­bureau im Prater in Wien. In solchen modernen Anlagen wird der Meß wagen durch elektrische Kraft mit völlig gleichmäßiger, innerhalb weiter Grenzen regel­barer Geschwindigkeit über die Meßstrecke bewegt, während sich gleichzeitig die Zahl der Flügelumdrehungen, die zurückgelegte Meßstrecke und sekundliche Zeitmarken auf einem Bandchronographen aufzeichnen.

Wir sind aber damit der Entwicklung weit vorausgeeilt, doch sind am Meß­gerät selbst lange Zeit hindurch außer allmählichen konstruktiven Verbesserun­gen keine wesentlichen Neuerungen und Fortschritte zu verzeichnen; der wich­tigste dürfte Treviranus zu verdanken sein, der um 1820 zuerst anstatt der an dünnen Speichen befestigten Flügel die heute gebräuchliche, viel gedrängtere Schraubenform anwendete. Auch die Einrückvorrichtung und das Zählwerk wurden besser durchgebildet. Mit solchen Verbesserungen entsprach der Wolt- MAXXSche Flügel den Bedürfnissen so sehr, daß die alten Staudruckgeräte bald gänzlich verschwanden und daß bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts schon größere systematische hydrometrische Arbeiten ausgeführt werden konnten.

Leider ist über die Geschichte der frühen Anwendungen des WoLTMANNSchen Flügels und der ersten größeren Abflußmessungen mit Hilfe dieses Gerätes nur wenig mehr zu ermitteln. Nach dem ausgezeichneten WerkeGeschichte der Hydrometrie in der Schweiz sind wenigstens für dieses Land einige Daten be­kannt; demnach scheint dort der WoLTMAXXsche Flügel erstmalig im Jahre 1807 bei Vorstudien für den Linth-Ivanal verwendet worden zu sein, die dem bekannten Badischen Rheinbauleiter Joiiaxx Gottfried Tulla übertragen gewesen sind. In den folgenden Jahrzehnten sind Messungen an der Aare, an den Juragewäs­sern und am Rhein im St. Gallischen Rheintal in größerer Zahl ausgeführt wor­den,von den Ergebnissen ist .jedoch wenig in die Öffentlichkeit gelangt.

Erst nach der Mitte des 19. Jahrhunderts hat man dann aber begonnen, auch an den Hauptströmen Mitteleuropas systematische Abflußmessungen vorzu­nehmen; besondere Aufmerksamkeit hat zu ihrer Zeit die 1867 durchgeführte internationale Rheinstrommessung bei Basel gefunden, an der sich neben schweize­rischen und badischen Fachleuten auch solche aus Bayern und Frankreich be­teiligten. 1873 und 1879 folgten größere Messungen an der Reuß bei Luzern, 1883 solche an der Rhone bei Genf usf.

Große Trockenheit und Wassermangel, die anfangs der Siebzigerjahre in Böhmen herrschten, rückten dort die Notwendigkeit systematischer hydrologischer Beobachtungen in ein besonders klares Licht, so daß zu diesem Zwecke 1875 eine hydrographische Kommission eingesetzt wurde. In ihrem Rahmen und Auftrag

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